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Neues Jagdgesetz : Jäger kritisieren bleifreie Munition

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ab April dürfen Jäger nur noch schwermetallfreie Geschosse verwenden / Das Wild verendet damit aber offenbar nicht sofort

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Wenn am 1. April die Jagdsaison beginnt, gibt es auch für die rund 100 aktiven Jäger in Neumünster keine Wahl mehr: Sie dürfen nur noch mit bleifreier Munition schießen. So sieht es das im Mai vergangenen Jahres vom Landtag verabschiedete Landesjagdgesetz vor. Denn nach Ansicht vieler Experten, Umweltschützer und Forstminister Robert Habeck (Grüne) gefährden bleihaltige Geschosse Leib und Leben von streng geschützten, aasfressenden Greifvögeln wie zum Beispiel dem Seeadler. Außerdem, so ein weiteres Argument, sei Blei in der Nahrung gesundheitsschädlich. Für die Kreisjägerschaft Neumünster kommt diese Verordnung hingegen zu schnell und ist nicht ausgereift.

Ein Wechsel der Munition erfordere vom Jäger in Zusammenarbeit mit einem Büchsenmacher ein sorgfältiges Einschießen der Waffe, sagt der Vorsitzende Ingbert Tornquist. Einige kostspielige Versuche seien nötig, bis die treffsicherste Munition für ein Gewehr gefunden sei. „Ob diese Munition dann auch die beste tierschutzgerechte Tötungswirkung hat und das Wildbret am geringsten zerstört, kann leider nur am zu jagenden Wild ausprobiert werden. Das ist ein sehr schlechter Zustand, der vermeidbar gewesen wäre, den aber die Landesregierung mit der übereilten Entscheidung zu verantworten hat“, sagt Tornquist.

In die gleiche Richtung argumentiert Kreisjägermeister Dirk Jacobsen. Weil er auch im Landesforst jagt und dort bleifreie Munition schon seit mehr als zwei Jahren vorgeschrieben ist, hat er Erfahrungen. Und die sind keineswegs eindeutig positiv: „Fest steht, dass das Wild, auch bei einem guten und zielsicheren Schuss, meist nicht sofort getötet wird. Ich bin daher froh, stets meinen Dackel bei mir zu haben.“ Der Hund findet das Wild schnell. Sollte es noch leben, kann Jacobsen das Tier zur Strecke bringen und erlösen. „Es wäre mir lieber gewesen, wenn der Gesetzgeber die Wahl dem Schützen überlassen hätte“, sagt Jacobsen mit Nachdruck.

Von einem „nicht ausgereiften Zusammenspiel der Jagdwaffe mit der vorgeschriebenen Munition“, sprechen auch Martje und Holger Meyer, Jäger aus Gadeland. Bisher habe bei einem gezielten Schuss das getroffene Tier den Knall, der auf die Kugel folgt, nicht mehr gehört. Das könne nun anders sein. „Bei der Jagd darf es keine Versuche geben. Wird der Schuss abgegeben, sind der genaue Treffer und die sofortige todbringende Wirkung, auch und im Besonderen aus Tierschutzgründen, erforderlich“, sind sich beide einig.

Mit Blick auf Kritiker bedauert Ingbert Tornquist eine zum Teil „sehr unsachlich und emotional geführte Diskussion“. Wildbret sei ein sehr gesundes und hochwertiges Lebensmittel, das die Verbraucher auch schon vor Einführung der bleifreien Munition bedenkenlos verzehren könnten.

Gefährdet sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung neben sogenannten „Extremverzehrern“, die regelmäßig ein- bis mehrmals die Woche Wild essen, Ungeborene und Kinder bis sieben Jahre, bei denen bereits eine geringe Bleiaufnahme zu Gesundheitsschäden führen kann. Deshalb rät das Institut kleinen Kindern, Schwangeren und Frauen, solange sie Kinder bekommen möchten, möglichst kein mit Bleimunition erlegtes Wild zu essen.

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