Retriever statt Fuchs : Jäger erschießt Hund auf dem Friedhof

Ein Jäger hat auf einem Friedhof in Neumünster einen Hund erschossen. Ein Fuchs war im Visier, als eine Golden-Retriever-Hündin in den Schuss lief.

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15. Februar 2012, 04:14 Uhr

Neumünster | Peter S. ist ein erfahrener Jäger - und tief betroffen, dass ihm ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Bei der abendlichen Jagd auf einen Fuchs schoss der 69-Jährige auf einen Golden Retriever. Die Hündin war durch ein Loch im Zaun auf das Gelände des Südfriedhofs gelangt und auf der Fuchsfährte dem Jäger in den Schuss gelaufen. Obwohl sich Peter S. sofort mit den Hundebesitzern zur Tierklinik nach Wasbek aufmachte, konnte das verletzte Tier nicht gerettet werden, es starb.
"Das ist passiert, dazu stehe ich auch. Ich habe mich nicht dünne gemacht. Mir tun die Besitzer leid", sagte Peter S. gegenüber sh:z. Er hat aus dem Vorfall seine Konsequenzen gezogen, seinen Ansitz auf dem Friedhof abgebaut und sich bei der Jagdaufsicht abgemeldet. Schuldzuweisungen gibt es nicht. Auch nicht von den Hundehaltern, einer Familie aus Ruthenberg. Alle Experten sprechen von einem tragischen Unfall. "So etwas soll nicht passieren, ist es aber", sagte Kreisjägermeister Heinz-Wilhelm Dahmke. Der Jäger habe sich nach dem Schuss korrekt verhalten und Kontakt zu den Hundebesitzern aufgenommen. Ingbert Tornquist, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, bedauerte den Unfall: "Ich mache es mir auch nicht einfach und sage, der Hund hätte angeleint sein müssen. Es gibt Vorsichtsmaßregeln, die auch alle eingehalten wurden. Trotz aller Umsicht ist es passiert", sagte er.
Wird Jagd auf Friedhof eingestellt?
Peter S. ist einer von zwei Jägern, die auf dem Südfriedhof jagen dürfen. Sie sind in Abstimmung mit dem Ordnungsamt von der Friedhofsverwaltung beauftragt, den Bestand an Kaninchen und Füchsen kurz zu halten. "Die Kaninchen fressen den Grabschmuck und buddeln die Gräber um, Füchse werden wegen des Fuchsbandwurms bejagt", sagte der Leiter der Friedhofsverwaltung, Dieter Schröder. "Es tut uns leid um die Familie, die den Hund verloren hat", sagte er. Pastor Rudolf Schlender habe mit der Familie gesprochen. Die Jäger seien besonders ausgesuchte und erfahrene Waidmänner, weil der Friedhof ein befriedeter Bereich ist. Dennoch steht die Jagd auf dem Friedhof jetzt auf dem Prüfstand.
"Die Emotionen kochen hoch, aber wir müssen sachlich bleiben", sagte Schröder. Es werde sogar daran gedacht, die Jagd auf dem Friedhof einzustellen. Eine Alternative wäre laut Ingbert Tornquist die Jagd mit Fallen. "Aber das wäre sehr aufwendig, die Fallen müssten zweimal am Tag überprüft werden." Er regt an, dass sich die Friedhofsverwaltung, die Jäger und die Jagdaufsicht an einen Tisch setzen, um zu überlegen: Wie kann Jagd dort überhaupt noch ausgeübt werden? Die Jagdaufsicht bei der Stadt ist seit 1981 Sache von Peter Eggers. Er hat in seiner Zeit keinen Unfall erlebt. "Das zeigt, dass die ausgesuchten Jäger erfahren und besonnen sind", sagte er und legte Wert auf eine Botschaft: "Auf dem Friedhof wird nicht auf frei laufende Hunde geschossen."

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