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Aus dem Gericht : Ist der wahre Täter auf den Fotos zu sehen?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Prozess um einen rätselhaften Einbruch wurde eingestellt.

von
erstellt am 09.Jun.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | Die Überraschung kam, als der letzte Zeuge schon gegangen war. In dem Prozess um einen rätselhaften Einbruch in ein Einfamilienhaus in einem kleinen Ort im Kreis Rendsburg-Eckernförde tauchten gestern am zweiten Prozesstag vor dem Jugendgericht plötzlich spannende Fotos auf. Sie zeigten offenbar einen jungen Mann, der gerade eine Tasche vergräbt. Möglicherweise ist darauf der wahre Täter zu sehen. Das meint zumindest der Angeklagte (21), der sich seit Mitte vergangener Woche wegen eines Einbruchs verantworten muss.

Gestern rückte dann auch das Gericht von dem ursprünglichen Vorwurf ab und stellte das Verfahren gegen den zurzeit arbeitslosen jungen Mann vorläufig ein – auf den Tag genau zwei Jahre nach der Tat. Er muss jetzt lediglich wegen Beihilfe zum Diebstahl 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Neumünsteraner hatte bereits zu Beginn des Prozesses vehement bestritten, die Tat in Eigenregie begangen zu haben. Stattdessen verwies er auf den gleichaltrigen Sohn der betroffenen Familie, mit dem er damals befreundet war. Nach Aussage des Angeklagten habe der damals aus einer finanziellen Notlage heraus das Haus seiner Eltern ausgeräumt und zur Vertuschung eine Scheibe eingeschlagen. Er selbst habe dem Kumpel lediglich geholfen, Wertsachen wie Fernseher, Laptop, Handys, Schmuck und Silberbesteck ins Auto zu laden und bei Bekannten zwischenzulagern. Dafür habe er ein Handy bekommen.

Der Sohn der Einbruchsopfer ließ sich als Zeuge gestern nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren (der Courier berichtete). Gestern bestätigten zwei Zeugen im Wesentlichen, dass der Sohn vor rund zwei Jahren plötzlich Sachen untergestellt hat. „Er lagerte Sachen bei mir ein, weil er sein Zimmer renovieren wollte und stellte eine X-Box, eine Musikanlage, eine Kamera, einen Rechner und eine große Tasche bei mir in die Ecke. Ich habe ihm das geglaubt“, erzählte ein Kumpel als Zeuge.

Auch die Mutter dieses Freundes konnte sich noch gut an die Zwischenlagerung erinnern. „Irgendwann waren die Sachen dann wieder weg“, berichtete sie. Ein weiterer Freund, der ebenfalls als Depot fungiert haben soll, bestätigte das hingegen nicht.

Doch dann sorgte der Angeklagte selbst noch für eine Überraschung: Kurz bevor die Richterin eine Entscheidung fällen konnte, präsentierte er der Juristin mehrere Fotos, die den Sohn der Einbruchsopfer zeigen sollen, wie er eine große Tasche vergräbt. Die Aufnahmen hatte einst der Freund gemacht, bei dem die Gegenstände zwischengelagert worden waren und der erst wenige Minuten zuvor als Zeuge entlassen worden war. Schnell wurde der junge Mann per Telefon zurück geordert.

Er berichtete, wie der Sohn der Einbruchsopfer ihn einst zu einer Fahrt in den Raum Segeberg mitnahm. „An einem Knick hat er dann was verbuddelt. Ich wartete im Auto. Das kam mir schon komisch vor. Deshalb hab ich das mal fotografiert. Warum er da gräbt, hat er nicht richtig gesagt. Weil wir damals gut befreundet waren, habe ich nicht weiter nachgehakt“, erzählte der Zeuge.

Ob es sich bei dem Mann auf den Fotos tatsächlich um den Sohn handelt, war gestern nicht abschließend zu klären. „Ich sehe da jemanden graben und eine Tasche“, kommentierte die Richterin. Sie deutete jedoch an, dass die Bilder durchaus noch mal von Interesse sein könnten.

Dem Angeklagten riet sie, sich auf derartige „Hilfeleistungen“ nicht noch einmal einzulassen: „Sie wollen doch mal im Einzelhandel arbeiten. Mit Eintragungen wegen Diebstahls könnten Sie sich schnell Ihre Karriere dort verbauen.“ 

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