Literaturcafé : Irland für alle Sinne am Einfelder See

Gute Laune verbreitete Sänger Martin Luke Burns am Keyboard mit seiner Band „The Leprauchans“.
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Gute Laune verbreitete Sänger Martin Luke Burns am Keyboard mit seiner Band „The Leprauchans“.

Das Literaturcafé lud am Sonnabend zum Sommernachts-Träume-Festival ein. 270 Zuschauer genossen Verse, Weisen und Leckereien.

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13. Juli 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | Der Einfelder See bildete eine traumhaft malerische Kulisse vor sinkender Sonne, die „Kobolde“ spielten fröhliche irische Weisen, der irische Dichter Terry McDonagh plauderte launig von der grünen Insel und deutschen Gepflogenheiten: Unter dem Motto „The Irish Century of Words, Song and Tunes“ bereitete das Team des Literaturcafés Einfeld am Sonnabendabend beim Seeträume-Sommernachtsträume-Festival einen wahrhaft lauschigen Abend. 270 Gäste strömten auf das Gelände des Ruderclubs.

„Leprauchauns sind Kobolde, die gehören zu Irland wie das Kleeblatt und der Regen. Sie verlassen aber erst die Bühne, wenn sie das Publikum glücklich gemacht haben“ begrüßte Gastgeberin Claudia Toppe als irische Fee vor der mit einem grünen Schleier geschmückten Bühne. Kein Problem: Vom ersten Moment zogen die „Kobolde“ Martin Luke Burns aus Belfast (Gesang, Keyboard), Ian Mardon aus Kanada (Geige) und Dylan Vaughn aus New York (Gesang, Gitarre, Percussion) mit ihren gesungenen Geschichten von Whiskey, Auswanderern und schönen Frauen ihr Publikum in den Bann.

Neben Klassikern wie „Whiskey in the Jar“ oder „As I roved out“ war ihr Lieblingsthema das diffizile Verhältnis der Geschlechter. So gab es den Ratschlag „Maids, never wedd an old man“ (Mädchen, heiratet niemals einen alten Mann), denn alte Männer haben ihr „Fallurum“ und „Ding-do-Rum“ verloren – Phantasiewörter, die auch ohne Übersetzung schmunzelnd verstanden wurden. Extra-Applaus und Pfiffe erhielt Geiger Mardon, der virtuos filigrane Klangteppiche zum Mitwippen schön „fiddelte“.

Dazwischen streute Terry McDonagh seine Erzähl-Gedichte mit einer typischen Mischung aus persönlich geprägter Lyrik und Einblicken in seine Begegnungen mit hiesigen Sitten. Das Publikum kringelte sich, wenn er die sprichwörtliche Höflichkeit aufs Korn nahm („wenn man Nein sagt, bekommt man keine Tasse Tee“) oder detailverliebt Bürger seiner „Adoptivstadt“ Hamburg charakterisierte („die Frau hält ihre Bratwurst so weit weg, dass man denken könnte, ein gewöhnlicher Mensch isst sie“). Doch auch ernste Themen kamen zur Sprache: Ergreifend schilderte der Dichter die „Gypsy Woman“ aus Rumänien, die täglich von ihrem irischen Mann geschlagen und diskrimiert wird („homeless in Irland“), und das Lied „City Chicago“ erinnerte an die große Hungersnot 1846 in Irland.

Die Gäste mussten dagegen keinen Hunger leiden: Wie Gastgeberin Claudia Toppe in ihrer „Häppchen“-Dankesrede offenbarte, hatte fast jeder Literaturcafé-„Clan“ leckeres Kulinarisches beigesteuert. Kartoffel-Quiche, Pflaumen in Basilikumcreme, Käse-Chips, Kassler mit Ananas und Forellenschnittchen wurden bis auf den letzten Krümel weggeputzt. Passend wurde auch Whiskey, Guinness und Baileys ausgeschenkt.

Zum ersten Mal war Gesine Otto (65) dabei: „Toll, dieser See, der Sonnenuntergang, schöne Musik, und der Dichter hatte Esprit und Witz“, sagte sie begeistert. Anne Lorenzen (70) war schon diverse Male dabei: „Es ist eine so emotionale Stimmung, jedes Jahr ist das ein neues Erlebnis – und es ist immer wieder schön.“

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