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Immobilienmarkt : Investoren entdecken Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kaufpreise steigen seit Jahren wieder. „Neumünster erwacht jetzt aus dem Dornröschenschlaf“, sagt eine Expertin.

Neumünster | Erweiterung des DOC, Bau der Holsten-Galerie und Industrieansiedlungen wie das Milchtrocknungswerk – Neumünster ist in Aufbruchsstimmung. Und das kommt jetzt auch auf dem Immobilienmarkt an: Die Stadt wird zunehmend von auswärtigen Investoren entdeckt, die hier Häuser als Anlageobjekte suchen und finden.

„Neumünster erwacht jetzt aus dem Dornröschenschlaf“, sagt die Diplom-Sachverständige Alexandra Förstner von der Gutachterkanzlei Klosterstraße. Es gebe schon Probleme, geeignete Objekte auf dem Markt zu finden. Früher sei der Markt von lokalen Investoren bestimmt worden und damit begrenzt gewesen. Die Preise bewegten sich über Jahre nur nach unten. „Seit Mitte 2014 dreht sich das Klima“, sagt Alexandra Förstner. Neumünster werde durch das DOC und die Holsten-Galerie von außen ganz anders wahrgenommen. Das Image habe sich stark verbessert.

Das bestätigt der Immobilienmakler Jens-Uwe Bahr: „Wir haben ohne Frage eine vermehrte Nachfrage, auch aus dem weiteren Umfeld.“ Neue Beschäftigte in Neumünster suchen Wohnraum, Investoren schauen sich kleinere Städte genauer an, da die Metropolen nichts mehr anzubieten haben. Der Preis für vermietete Mehrfamilienhäuser liegt in Neumünster etwa beim 12-fachen der Nettojahreskaltmiete – und damit deutlich günstiger als in Kiel, wo das 19-fache verlangt und gezahlt werde. In Hamburg betrage der Faktor sogar das 28-fache.

„Wir sind auf einem aufsteigenden Ast, müssen aber sehen, wo wir herkommen“, sagt Bahr. Bei Eigentumswohnungen habe es in den vergangenen Jahren Preisrückgänge von bis zu 30 Prozent gegeben. Bahr: „Wenn wir jetzt Preissteigerungen von 20 Prozent haben, sind wir längst noch nicht wieder auf dem alten Stand.“

Im Immobilien-Center der Sparkasse Südholstein sieht man das ähnlich. „Vermietete Eigentumswohnungen waren lange praktisch unverkäuflich“, sagt der Leiter der Immobilienvermittlung, Heinrich Christian Prühs. Er und sein Kollege Holger Brimm können auf den Immobilienkompass der Landesbausparkasse und eigene Erhebungen zurückgreifen. Demnach pendeln die Grundstückspreise in der Stadt zwischen 90 und 130 Euro pro Quadratmeter. Bei gebrauchten Eigentumswohnungen liegen die Preise zwischen 950 und 1600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, im Durchschnitt sind es 1200 Euro.

Neu gibt es nur wenige Eigentumswohnungen im Angebot; im gehobenen Segment werden hier sogar Preise von bis zu 2500 Euro je Quadratmeter aufgerufen. Bei Einfamilien- und Doppelhäusern liegen die Preise zwischen 1000 und 1200 Euro je Quadratmeter. Bei Mehrfamilienhäusern reichen die Preise vom 9,5-fachen bis zum 13,5-fachen der Nettojahreskaltmiete.

Die Preissteigerung von 2013 auf 2014 schätzt Prühs auf 5 bis 10 Prozent. „Die Trendumkehr von stagnierenden oder sinkenden zu wieder steigenden Preisen ist in Neumünster erst seit 2013 erkennbar“, sagt Prühs. Die Perspektiven für Verkaufs- und Mietpreissteigerungen seien wieder besser geworden, sagt Brimm: „Und es wird wieder gebaut in Neumünster, auch Eigentumswohnungen. Das hatten wir lange nicht mehr.“

In Tungendorf ist schon ein weiterer Trend spürbar. Hier werden alte, nicht mehr sanierungsfähige Siedlerhäuser der 1930er- und 1950er-Jahre abgerissen, um Platz für Neubauten zu schaffen.

Kommentar: Auch für Mieter ist das eine gute Nachricht

Dass die Immobilienpreise nach Jahren des Stillstands, ja des Verfalls wieder anziehen, ist eine gute Nachricht. Damit zeigt sich auch auf dem Immobilienmarkt die langsame Erholung der Konjunktur. Neumünster ist im Aufwind. Das freut Eigenheimbesitzer und Vermieter, denn jahrelang waren die Preise im Keller. Manche Grundstücke sind auch jetzt noch unbebaut mehr wert als mit einem alten Häuschen drauf. So komisch das klingen mag: Auch für Mieter ist die Erholung am Immobilienmarkt eine positive Nachricht. Nur wenn Investoren Potenzial in einer Stadt sehen, sind sie bereit, sich zu engagieren und Geld in die Hand zu nehmen. Etwa um es in  Neubauvorhaben oder die Modernisierung des Wohnungsbestandes zu stecken. Viele leer stehende Wohnungen sind  unsaniert gar nicht  mehr zu vermieten. Dass die Mieten deshalb durch die Decke gehen, ist nicht zu erwarten. Neumünster bleibt für Mieter wie Käufer günstig.

 

 

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erstellt am 14.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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