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Unternehmensverband : „Investoren alle gleich behandeln“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Unternehmensverband kritisiert den Umgang mit dem Einzelhandelskonzept. Flüchtlinge können Arbeitskräftemangel beheben.

Beim Bierabend werden auch Ruheständler wieder sehr aktiv: Ex-Stadtwerkechef Gerd Sigel (von rechts) unterhielt sich in angeregter Runde mit seinem Nachfolger Matthias Trunk, Logistikunternehmer Henning Voigt und Sparkassenvorstand Martin Deertz. von
erstellt am 04.Nov.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Die Wirtschaft präsentiert sich nach wie vor in guter Verfassung. Das zeigt auch die gestern vom Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) vorgestellte Herbst-Umfrage zur Konjunktur. 109 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 8600 Beschäftigten beteiligten sich daran.

84 Prozent der Firmen erwarten für das laufende Geschäftsjahr gleich bleibend gute oder steigende Umsätze. Die Bereitschaft zu investieren bleibt hoch. Die Arbeitslosenquote liegt mit 9,6 Prozent erstmals seit 20 Jahren wieder im einstelligen Bereich. „Neumünster hat sich aus sich selbst heraus besser entwickelt als manch andere Region in Schleswig-Holstein“, sagte der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle.

Von Schwierigkeiten berichte laut van der Walle allein die Metallindustrie. Im Gegensatz dazu zeige sich der Bereich Pflege und Gesundheit als die Wachstumsbranche. Hier haben schon drei Viertel aller Betriebe Schwierigkeiten, Arbeits- und Ausbildungsplätze mit Personal zu besetzen. Deswegen ist hier auch die Bereitschaft am größten, Flüchtlinge zu beschäftigen. Die meisten Vorbehalte bestehen im Dienstleistungssektor. Oft werde eine Beschäftigung aber an Voraussetzungen wie deutsche Sprachkenntnisse, einen geklärten Aufenthaltsstatus oder auch eine Ausbildung geknüpft.

Der stellvertretende UVM–Vorsitzende Ulf Michel beklagte, dass das Land Neumünsters Leistungen nicht wertschätze. Dass die Erstaufnahme in der früheren Scholtz-Kaserne hoffnungslos überfüllt ist, sei bekannt. Das Land suche aber kein Gespräch mit der Stadt, um über Ansätze zur Lösung zu sprechen. Stattdessen sollten Neumünster künftig zusätzlich Flüchtlinge zur dauerhaften Aufnahme zugewiesen werden. „Wir befürchten, dass damit die Grenze der Zumutbarkeit erreicht ist“, sagte Michel und forderte die Landesregierung auf, diese Pläne fallen zu lassen. „Keinesfalls dürfen die Kosten für Asylbewerber zu einer Einschränkung der kommunalen Haushalte führen, die notwendige Investitionen in die Infrastruktur verhindert“, warnte Michel.

Die Eröffnung der Holsten-Galerie und die DOC-Erweiterung sind für den Unternehmensverband sichtbare Erfolge und Zeichen für die gute Entwicklung Neumünsters. Als „zentral für die Innenstadt“ nannte van der Walle, dass schnellstmöglich eine alternative Nutzung für das Karstadt-Gebäude gefunden wird, wenn das Kaufhaus Mitte 2016 schließt. „Eine Verödung der Innenstadt durch Leerstand an so exponierter Stelle im Herzen Neumünsters wird man sich nicht leisten können“, so van der Walle.

Der UVM-Chef kritisierte, dass ansiedlungswillige Einzelhandelsunternehmen in Neumünster „derzeit keine vollständig verlässlichen Rahmenbedingen“ finden. Konkret nannte er die von der Stadt abgelehnten Pläne für einen neuen Lebensmittelmarkt auf dem Wigger-Gelände an der Kieler Straße und die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes auf dem ehemaligen Stock-Guss-Areal. Das mit der „Lex Nortex“ aufgeweichte Einzelhandelskonzept müsse dringend überarbeitet werden. Michel: „Es ist nicht nur unfair, sondern schädlich, wenn man Investoren nicht alle gleich behandelt.“

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