Neumünster : Internetbetrug: Miese Masche mit fremdem Konto

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Glatter Freispruch im Amtsgericht: Die Angeklagte wurde selbst hintergangen.

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10. Januar 2018, 17:01 Uhr

Richterin, Staatsanwältin und Verteidigerin waren sich ausnahmsweise einmal einig: „Sie waren’s nicht!“, bescheinigte die Richterin der 37-jährigen Angeklagten und entließ sie mit einem glatten Freispruch – aber auch einer deutlichen Ermahnung, künftig bitte nie wieder so vertrauensseelig zu handeln.

Diesen Vorwurf musste sich die britische Staatsbürgerin immerhin gefallen lassen: Offenbar aus purem Mitleid hatte die Frau bereits vor Jahren ein Konto für ihre deutsche Stiefschwester eröffnet – auf ihren eigenen Namen, aber zur vollen Verfügung der Halbschwester. Die oder eine Bekannte – so genau wurde das gestern im Gericht nicht geklärt – übernahm die Identität der Angeklagten und verkaufte unter deren Namen im Internet unter anderem größere Mengen Reinigungsmittel an einen Neumünsteraner Zwischenhändler. Der Mann überwies rund 25 000 Euro auf das angegebene Konto, wartete auf seine Ware jedoch vergeblich – und brachte so den Fall ins Rollen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Kontoinhaberin, die mit den Betrugsvorwürfen konfrontiert offenbar aus allen Wolken fiel: Über Jahre hatte sich die Frau nicht mehr um das Konto gekümmert. Welche Forderungen gegen sie erhoben wurden, habe sie erst erfahren, als es fast zu spät war, versicherte ihre Anwältin.

Vor Gericht stellte sich allerdings schnell heraus, dass sie mit der gesuchten Internetbetrügerin nichts zu tun hatte. Staatsanwältin und Richterin ließen sie zum Test unterschreiben und verglichen ihre Unterschrift mit den Unterschriften auf den Betrugsbelegen – konnten aber keinen Übereinstimmungen feststellen.

Noch gewichtiger: Der als Zeuge auftretende Internethändler aus Neumünster, der seine ehemalige Geschäftspartnerin einmal persönlich getroffen hatte, war sich sicher, dass die Frau im Gerichtssaal nicht die Gesuchte sein könnte.

Die Freigesprochene hat inzwischen ihrerseits Strafanzeige gegen ihre Stiefschwester erstattet.

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