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Tierheimbilanz : Internet ist Fluch und Segen im Tierheim

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tierschutzverein zieht Bilanz 2015 / Hunde-Handel über Ebay ohne Beratung verkorkst die Tiere

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 18:16 Uhr

Neumünster | Es ist nur eine kleine Zahl, aber sie zeigt den Trend: „Von 237 Katzen, die im vergangenen Jahr als Fundtiere zu uns kamen, wurden 28 von ihren Besitzern abgeholt – früher war das ganz selten. Der Grund dafür ist unsere Präsenz auf Facebook“, sagt Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Der Schritt in die Moderne bringt etwas – aber das Internet ist nicht nur nützlich, sondern auch ein zweischneidiges Schwert, sagt die Tierheimleiterin in ihrer Jahresbilanz.

613 Tiere wurden im vergangenen Jahr aufgenommen, vor allem Katzen – 237 wurden, wie oben erwähnt, gefunden. Das lag auf dem Niveau des Vorjahres. 95 wurden zur Vermittlung von ihren Besitzern abgegeben. 74 Hunde wurden aufgefunden, die ausgebüxt waren und dann wieder nach Hause kamen, 29 wurden von ihren Besitzern zur Vermittlung freigegeben – etwas niedrigere Zahlen als 2014. „Es ist gut, dass die Leute den Mut hatten, die Tiere persönlich vorbeizubringen. Denn wenn wir die Tiere ohne Infos bekommen, wissen wir nicht, wie gesund sie sind, welches Futter sie fressen, ob sie Marotten haben und wie überhaupt ihr Charakter und der Umgang mit Artgenossen ist. Das ist bedauerlich“, sagt sie.

Ausgesetzt wurden 2015 nur zwölf Hunde. „Das sind erstaunlich wenige. Aber das heißt nicht, dass es nur wenige solcher Fälle gibt. Stattdessen läuft auf der Internetplattform Ebay ein schwungvoller Handel. Ohne Beratung gehen die Hunde von Hand zu Hand. Das sind traurige Schicksale, und die Hunde werden mit jedem Besitzerwechsel immer verkorkster“, sagt Gisela Bünz erbost. Das sei die Kehrseite des Internets. „Irgendwann, wenn die Tiere zu schwierig werden, landen sie dann doch bei uns als Problemfälle. Manchmal bin ich sprachlos“, sagt die erfahrene Tierschutzfrau, die seit 1992 Vorsitzendes des Tierschutzvereins ist.

Bessere Chancen werden allerdings die bisherigen „Gefahrhundrassen“ aufgrund der neuen Rechtslage haben. Da die Rasseliste gestrichen ist, konnten die Staffordshire-Terrier Taira und Cooper im neuen Jahr schon vermittelt werden.

In ein neues Zuhause kamen insgesamt 282 Katzen, 53 Hunde, dazu diverse Kaninchen, Wellensittiche, Meerschweinchen. Es gab auch ungewöhnliche Tierheimbewohner wie Chinchillas, Wasserschildkröten, eine Nacktkatze und im Sommer den Hahn „Loverboy“, den seine Besitzer abgaben, weil er zu laut und zu oft krähte und recht streitbar war, dann aufs Land im Kreis Schleswig-Flensburg vermittelt wurde (der Courier berichtete). Bünz: „Er erfreute uns mit seinem Krähen, das brachte Leben in die Bude.“

Auch eine rührende Geschichte hat sie parat: Im Mai waren drei kleine Marder in einem Kellerschacht eingeschlossen. Ihre Mutter säugte sie nicht mehr, sie standen aber auch noch nicht auf eigenen Füßen. Gisela Bünz zwängte sich in den Kellerschacht und holte die Kleinen heraus. „Zwei haben es nicht geschafft. Aber Nummer 3 ist aufgepäppelt worden.“

Das Vermittlungsgeschäft macht sie zurzeit federführend allein. Die bisherige Tierheimleiterin hatte relativ überraschend gekündigt (der Courier berichtete). Mitte Januar fängt „die Neue“ an, deren Namen sie noch nicht verraten möchte. Fest steht: Die Anwärterin hat bereits Erfahrungen in Tierheimen in Elmshorn und Itzehoe gesammelt.

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