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Junge Flüchtlinge : Integration fängt in der Küche an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Restaurant des Jugendhilfeträgers Safety Villa ist Begegnungsstätte und Lehrwerkstatt. Mittagstisch steht allen Neumünsteranern offen

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erstellt am 08.Mär.2016 | 08:45 Uhr

Neumünster | Hinter den Kulissen wurde im Eckhaus an der Kieler Straße/Johannisstraße schon länger gewerkelt und renoviert. Der Schriftzug „Safety Villa“ über der Eingangstür ist aber noch recht jung – der gleichnamige freie Jugendhilfeträger hat hier eine Begegnungs- und Ausbildungsstätte für junge Flüchtlinge eröffnet, die als Restaurant allen Neumünsteranern offen steht.

„Wir betreuen männliche Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, alle mit traumatischen Erfahrungen durch Krieg, Flucht und Gewalt“, sagt Stefan Westphalen, der mit seiner Frau Khaterah die traumapädagische Einrichtung betreibt. Rund 50 jugendliche Flüchtlinge leben in den Wohngruppen der Safety Villa.

„Die Grundidee war es, mit dem Restaurant eine zentrale Begegnungsstätte zu schaffen, in der gemeinsam zu Mittag gegessen wird“, sagt Westphalen. Wegen der unterschiedlichen Schul- und Berufsschulzeiten in den Häusern gestaltete sich das zuvor schwierig. „Wir sind aber offen für alle Neumünsteraner und haben schon viele Stammgäste“, sagt Westphalen.

„Und als zertifizierter Ausbildungsbetrieb eröffnen wir eine berufliche Perspektive“, so Westphalen. Mujtaba Mirzak ist der erste Azubi der Safety Villa und lernt im Restaurant den Beruf des Kochs. Daneben können auch Fachkräfte im Gastrogewerbe ausgebildet werden. Nawid Dostmand, Jalal Faizy und Ajmal Maliki versuchen sich zurzeit in einer beruflichen Einstiegsqualifizierung und besuchen während dieser Schnupperphase auch schon die Berufsschule.

Die Renovierung der jahrelang leer stehenden Gaststättenräume geriet selbst zum Projekt. Früher hatte hier eine Wienerwald-Filiale ihren Sitz, dann ein Balkan-Restaurant. Die Jugendlichen griffen zur Selbsthilfe und nahmen die Renovierung selbst in die Hand. Facharbeiten wurden aber durch Betriebe erledigt.

Elektromeister Peter Mourgues machte nicht nur die nötigen Installationen, sondern stellte in der Folge auch Praktikumsplätze in seinem Betrieb zur Verfügung – etwa für Mohammad Rezai. „Er macht sich gut. Wenn es dann auch mit der Sprache besser klappt, kann er bei mir eine Ausbildung machen“, sagt Peter Mourgues und lässt sich mit Mohammad das Baguette zum Mittag schmecken.

Die Küche ist international ausgerichtet, allerdings wird kein Schweinefleisch verwendet. Jeden Tag gibt es von 11.30 bis 15.30 Uhr ein Stammgericht mit einem Salat und Nachtisch für fünf Euro. Alles wird frisch zubereitet, auch das Brot selbst gebacken. Die Getränkeauswahl beschränkt sich bewusst auf Kaffee, Tee und Wasser. „Wir machen das ohne jegliche Subvention, das Restaurant soll sich selbst tragen“, sagt Stefan Westphalen. Die Begegnungsstätte selbst ist von 9 bis 17 Uhr geöffnet, und montags und dienstags auch der Schulraum: Dann kommt ein Lehrer für den Deutsch-Unterricht.

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