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Leerstand : Innenstadt in Neumünster: Wochen der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Umzüge in die neue Holsten-Galerie und Geschäftsaufgaben haben in der Innenstadt Lücken hinterlassen, doch es gibt auch neue Geschäfte

Neumünster | Im Kuhberg-Karree haben der Auszug von Hugendubel und Jeans Fritz ihre Lücken hinterlassen. Auch Bonita zog es vom Großflecken in die neue Holsten-Galerie; aus der Marktpassage ist es der T-Punkt. Gegenüber schließt bald Sack & Pack, das Schaufenster von Horn ist bereits leer. So viele Leerstände gab es in der Innenstadt noch nie. Sie zeichneten sich ab und sind hoffentlich nur vorübergehend. Die Vermieter schmieden Pläne und führen viele Gespräche. Es scheint so, als liefen für die Zukunft des Großfleckens die Wochen der Entscheidung.

„Die Leerstände machen unsere Stadt natürlich nicht attraktiver. Der Kundenlauf ist deutlich weniger geworden.“, sagt Ilka Schulzki, Inhaberin des Geschäfts Nachtschwärmer am Großflecken 55. Aber das sei lange absehbar gewesen. Große Filialisten wie Douglas gebe es in Städten von der Größenordnung Neumünsters nur einmal in der Innenstadt.

Die Parfümerie ist neu in der Holsten-Galerie, nimmt am alten Standort Großflecken noch das Weihnachtsgeschäft mit und schließt dann dort im Januar. In der Nachbarschaft ist der Leerstand besonders deutlich, denn auch Tamaris am Großflecken 32 und Apollo Optik (Großflecken 34) sind weg in die Galerie. Maike Mundt von Blume 2000 direkt nebenan tun die Leerstände „von der Stimmung her weh“. Leerstände bedeuteten auch immer dunkle Ecken ohne Beleuchtung. Doch sie klagt nicht und sagt: „Es läuft. Es gibt auch viele neue Gesichter in der Stadt. Es ist jetzt die Zeit, wo der Großflecken sich beweisen muss. Ich denke positiv.“ Der Wochenmarkt werde zwar nicht mehr so gut besucht wie früher, belebe aber die ganze Innenstadt. „Und der neue Rewe in der Alten Post-Passage tut dem Großflecken gut“, sagt Maike Mundt und spricht von einer spannenden Zeit für den Handel. Es gibt nämlich auch positive Nachrichten: Mit Brot-Rock und Hold haben zwei Geschäfte neu aufgemacht und die Lücke geschlossen, die Nordsee am Großflecken auftat.

Die Hold-Filialleiterin Laura Schmid sieht Neumünster durch die Holsten-Galerie belebt. „Das sieht man deutlich. Viele Kunden kommen von außerhalb.“

Das geplante Leerstandsmanagement der Stadt ist noch nicht am Start. Hier wünscht sich Maike Mundt schon etwas mehr Unterstützung. Klaus Ruser, Inhaber von Photo Ruser in der Lütjenstraße, hat das selbst in die Hand genommen. Er will die noch verwaisten Geschäftsräume von Pandora (jetzt ebenfalls in der Holsten-Galerie) als Schaufenster nutzen, bis der Nachmieter kommt. „Ich habe natürlich ein ureigenes Interesse, dass nebenan Leben herrscht“, sagt Ruser. Auch ihn sorgt, dass durch Leerstände in der Nachbarschaft Frequenz wegbricht.

In der Lütjenstraße ist auch der Leerstand durch den Umzug von Sport 2000 an die Johannisstraße und Yourtone (Holsten-Galerie) zu spüren. Noch trauriger sieht es im Parkcenter aus, wo mit Deichmann, Blusen Sievers und Bijou Brigitte gleich drei Geschäfte leere Flächen hinterließen. An der Ecke zur Klosterinsel wird allerdings das frühere Vivano gerade für das Steakhaus Rancho Grande hergerichet.

Makler Martin Lorenzen, der die Nachmieter im Kuhberg-Karree rekrutieren soll, ist nicht pessimistisch. „Wir haben gute Nachfragen nach Laden- und Büroflächen in der Innenstadt“, sagt er. Voraussetzung sei aber, dass diese in punkto Größe, Technik und Erreichbarkeit den heutigen Bedürfnissen entsprächen. Beim Kuhberg-Karree sei nicht das Objekt das Problem, sondern die komplizierten Strukturen beim Eigentümer, einem ausländischen Fonds.

Objekte mit Renovierungsstau haben laut Lorenzen Probleme.„Das Karstadt-Gebäude ist das beste Beispiel. Aber die Lage ist gut, und da laufen auch Gespräche“, sagt er. Neumünster habe jetzt durch das DOC und die Holsten-Galerie die einmalige Chance, sich Kaufkraft und Kundenströme von anderen Städten zurück zu erkämpfen.

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erstellt am 02.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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