Eiserne Hochzeit : In Tungendorf das Glück gefunden

Carola und Herbert Möller feiern heute im Kreis der Familie und der engen Freunde.  Foto: Ziehm
Carola und Herbert Möller feiern heute im Kreis der Familie und der engen Freunde. Foto: Ziehm

Carola und Herbert Möller verschlug es als Flüchtling und Kriegsgefangenen nach Neumünster. Am Mittwoch feiern sie ihre eiserne Hochzeit.

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20. März 2013, 07:55 Uhr

Neumünster | Heute feiern Carola (86) und Herbert (89) Möller einen ganz besonders seltenen Ehrentag: Das Paar ist seit 65 Jahren verheiratet und erlebt damit - bei rüstiger Gesundheit - die eiserne Hochzeit!

Beide kommen nicht aus Neumünster, wo sie am 20. März 1948 den Bund der Ehe schlossen. Carola Möller stammt aus Zielkeim, einem samländischen Dorf in der Nähe von Königsberg. Herbert Möller stammt aus Maffersdorf im Sudetenland. Carola verschlug es als Flüchtling an die Schwale, genauer in die Gartenstadt, Herbert als Kriegsgefangenen in einer Dienstgruppe der britischen Besatzungsmacht in der Sick-Kaserne.

"Irgendwie sind wir uns in Neumünster über den Weg gelaufen", sagt Herbert Möller und vermutet eine der Tanz- und Kameradschaftsveranstaltungen im "Klubhaus des Westens". Das war eine Baracke am Flugplatz in der späteren Böcklersiedlung. "Getanzt wurde auch im ehemaligen Casino der Sick-Kaserne", sagt Herbert Möller. Im Oktober 1947 war Verlobung, 1948 Hochzeit. "Um eine Wohnung zu bekommen, musste man verheiratet sein. Lebenspartnerschaft zählte damals nicht", sagt Möller und schmunzelt.

Dass es nur vors Standesamt ging, lag an der unterschiedlichen Konfession - und am lieben Geld. "Meine Frau ist protestantisch, ich bin katholisch. Wir hätten gern kirchlich geheiratet, aber die Gebühren waren zu hoch", sagt Herbert Möller und fügt hinzu: "Wir sind auch ohne kirchlichen Segen glücklich geworden."

Dem frisch vermählten Paar wurde eine Wohnung an der Schwalbenstraße zugewiesen. Dort kam 1949 Tochter Astrid zur Welt. Im gleichen Jahr wurde der später in ganz Neumünster bekannte Christdemokrat Herbert Möller Genosse - als Gründungsmitglied der Genossenschaft "Eigener Herd". Sie war vom Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten angestoßen. Möller war hier bis zur Parteiauflösung 1958 Mitglied und fand dann seine politische Heimat in der CDU.

Doch zunächst ging es um die eigene Heimstatt: Anfang Juni 1952 begann in Eigenhilfe der Bau der Siedlung am Dahlienweg in Tungendorf. Am 22. Dezember 1952 wurde das eigene Haus bezogen, am 3. Januar 1953 kam Sohn Lothar zur Welt. "Da sind wir immer noch seit gut 60 Jahren", sagt Herbert Möller. "Wir fühlen uns wohl hier und wollen so lange wie möglich in unseren eigenen vier Wänden bleiben", sagt Carola Möller.

Beruflich startete Herbert Möller seine Karriere bei den Phrix-Werken. 1970 nahm ihn Herbert Gerisch mit zur Heimbau Schleswig-Holstein, wo Möller bis zur Rente 1990 im Vorstand wirkte. Nach Ruhestand war ihm aber nicht: Acht Jahre lang war er Kreisgeschäftsführer des DRK und wurde während der "Audi-Affäre" 2007/08 - im Alter von 84 Jahren - noch einmal als kommissarischer Geschäftsführer reaktiviert.

Bekannt ist Möller durch sein kommunalpolitisches Wirken. 1958 trat er in die CDU ein, 1962 wurde er in den Rat gewählt, von 1966 bis 1986 leitete er die CDU-Fraktion. Parallel dazu war er von 1982 bis 1991 CDU-Kreisvorsitzender und führt seitdem den Ehrenvorsitz. Von 1985 bis 1988 gab er als Nachrücker auch ein kurzes Gastspiel im Landtag.

Möllers "zweite ehrenamtliche Schiene" ist der Siedlerbund. 1953 gründete er die Siedlergemeinschaft Eigener Herd, war hier Gemeinschaftsleiter, 30 Jahre lang Siedlerbund-Kreisvorsitzender und engagierte sich auch im Landes- und Bundesvorstand.

Auch wenn er sich mit einem Augenzwinkern als "Zugereisten" bezeichnet, möchte er "sein Tungendorf" nicht missen. Noch heute schwärmt er von der "Tungendorfer Mafia", in die ihn 1962 der damalige SPD-Stadtpräsident Max Johannsen einführte. Der lud Möller zu sich nach Hause am Langjähren zum Kaffee ein und beschied ihm: "Junger Mann, merken Sie sich eins: Neumünster wird von Tungendorf aus regiert." Möller: "Das war auch über Jahre so."

Wie halten sich die eisernen Hochzeiter nur so fit? "Im Augenblick mit Schnee-Schippen, auch der Garten hält jung", sagt Herbert Möller. Gefeiert wird im Kreis der engeren Freunde und der Familie. Ganzer Stolz von Carola und Herbert Möller sind die beiden Enkel und zwei Urenkel.

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