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KInderbetreuung : In sechs Kitas ist Schweinefleisch tabu

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Kindertagesstätten dürfen selbst entscheiden, was sie ihren Kindern zu Mittag anbieten. Die meisten gehen auf Elternwünsche ein

Neumünster | Alexandra (4), Lina (4), Christina (5), Emirhan (6) und Jaron (3) ließen sich nicht lange bitten und langten kräftig zu: Wenn die Kita Mäusenest wie gestern Mittag für ihre kleinen Schützlinge Gemüsepfanne und lecker duftende Reisbratlinge auftischt, sind die Teller meist schon nach kurzer Zeit leer geputzt. Die vegetarische Kost schmeckt allen gleichermaßen.

Das Schöne: Der gemeinsame Mittagstisch funktioniert auch, wenn unterschiedliches Essen auf den Tellern liegt: „Wir gehen gerne auf die Elternwünsche ein und nehmen Rücksicht auf allergische Unverträglichkeiten, aber auch auf kulturelle oder religiöse Gepflogenheiten“, versichert Kita-Leiterin Melanie Michalowski. Das gilt auch für Schweinefleisch, das nach islamischem Glauben als unrein gilt. Die eigene Köchin im Haus sorgt im Mäusenest dafür, dass auch die Kinder muslimischer Eltern mitessen können, wenn in der Kita für die anderen Schwein auf dem Speisezettel steht.

Mit ihrem breit angelegten Mittagsangebot ist die DRK-Kita Mäusenest in Neumünster eher die Regel als die Ausnahme. Insgesamt 2814 Kinder zwischen 8 Wochen und 14 Jahren werden derzeit in den 36 Kitas der Stadt und freier Träger betreut. Etwa 83 Prozent essen dort auch mittags – mit steigender Tendenz, wie Jörg Asmussen, Chef im Fachdienst Frühkindliche Bildung, unterstreicht. Asmussen geht davon aus, dass nahezu alle 36 Kitas Kinder islamischen Glaubens betreuen und sich in unterschiedlichem Ausmaß mit dem Thema Schweinefleisch beschäftigen müssen. Gerade weil das so ist, überlässt die Stadt die Entscheidung über das „passende“ Essen den Kitas. Die könnten selbst am besten beurteilen, wie weit sie den Eltern entgegen kommen können oder wollen, so Asmussen. Es gebe keinen Grund an dieser Praxis etwas zu ändern, sagte Asmussen mit Blick auf Flensburg.

Dort und in anderen Städten gilt in Kitas und Grundschulen ein striktes Schweinefleischverbot, was in den vergangenen Tagen für mächtig Aufregung gesorgt hatte (der Courier berichtete). Kritiker werfen der Stadt Flensburg einen vorauseilenden Gehorsam gegenüber einer Minderheit vor, die der Mehrheit der Kita-Kinder einen Verzicht aufnötige.

Auch in Neumünster gibt es sechs Kitas, die mit Rücksicht auf ihre muslimischen Schützlinge komplett auf Schweinefleisch verzichten. Einen Nachteil für die anderen Kinder und Eltern mag darin allerdings niemand erkennen. „Das machen wir schon seit Jahren, noch nie hat sich jemand beschwert“, versichert etwa Susanne Hartmann aus der Awo-Kita Bollerwagen. Überhaupt gehe es ja wohl mehr um die Qualität des Essens.

So sieht man das auch bei der Stadt. Als die Kommune im August 2015 den (nicht deckenden) Kostenbeitrag für den Kita-Mittagstisch von 45 auf 50 Euro anhob, stand von vornherein fest, dass der Mehrbetrag an die Kitas und nicht in die Kostendeckung fließen soll. „Die Aufstockung sollte der Qualität des Mittagessens zugute kommen“, sagt Jörg Asmussen.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 14:00 Uhr

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