zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

15. Dezember 2017 | 06:00 Uhr

Flüchtlinge : In Ruthenberg regt sich Protest

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

OB Tauras stoppt vorerst geplanten Verkauf des früheren Jugendheims / Flugblatt im Stadtteil verteilt

von
erstellt am 04.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hat den geplanten Verkauf des ehemaligen Jugendheimes an der Slevogtstraße 31 vorerst gestoppt. Er hatte beabsichtigt, das Grundstück an einen externen Jugendhilfeträger zu verkaufen, der das alte Heim abreißen und dort eine Unterkunft für junge Flüchtlinge bauen und betreiben sollte (der Courier berichtete). Das scheint nun vorerst vom Tisch zu sein.

Unter dem Punkt „Mitteilungen“ gab Tauras das am Dienstagabend im Hauptausschuss bekannt. Offenbar reagierte er damit auf Kritik an den Plänen. Mehrere Kommunalpolitiker zeigten sich nicht begeistert von der Idee, und seit Montag gibt es auch aus der Nachbarschaft Proteste. „Ich habe von dieser Diskussion gehört und sehe eine Radikalisierung. Sogar von einer Bürgerwehr wird schon geredet. Ich möchte zunächst die Sitzungen der Ausschüsse und des Stadtteilbeirats Brachenfeld-Ruthenberg abwarten“, sagte Tauras. Ob der vorläufige Planungsstopp auch für das zweite Grundstück (Memellandstraße) gilt, sagte er nicht.

Die Planung sah für beide Orte vor, Raum für je zwei Gruppen mit 12 bis 14 minderjährigen Flüchtlingen zu schaffen. Die Plätze sind dringend nötig, denn Neumünster hat derzeit etwa 25 Prozent aller minderjährigen Flüchtlinge unterzubringen, die ohne Eltern nach Schleswig-Holstein gekommen sind (der Courier berichtete). Das allein ärgert Verwaltung und die Mitglieder des Hauptausschusses enorm. „Das Land lässt uns im Stich. Man hat uns längst zugesagt, die jungen Leute weiter zu verteilen, aber es passiert nichts“, sagte Sozialdezernent Günter Humpe-Waßmuth. Darin bestätigte ihn der SPD-Fraktionsvorsitzende Uwe Döring. „Das Land wird seiner Verantwortung nicht gerecht und handelt unverantwortlich.“

Döring, sein Fraktionskollege Volker Andresen, Gerd Kühl und Hauke Hahn (CDU) lobten den vorläufigen Stopp der Pläne. Slevogtstraße, Landesunterkunft am Haart und vielleicht noch das alte Haus Stormarn – dann wären zu viele Asylbewerber auf zu engem Raum untergebracht, war der Tenor. Gerd Kühl: „Mich erinnert das an einen Teekessel auf dem Herd. Ich höre langsam das Pfeifen, weil der Druck zu groß wird.“

So sieht es auch der Ruthenberger Dietmar Raksch aus der Slevogtstraße. Er hat am Montag 250 Flugblätter in der Nachbarschaft verteilt. Er spricht darin von „Ghettobildung“ und fragt: „Warum immer Ruthenberg?“ Raksch sieht durch weitere Flüchtlinge zu viele Probleme auf seinen Stadtteil zukommen und schlägt vor, die Ruthenberger sollten in großer Zahl die Ausschusssitzungen besuchen, in denen das Thema behandelt werden soll.

„Ich habe viele positive Rückmeldungen auf das Flugblatt bekommen. Besonders Frauen fühlen sich oft nicht mehr sicher, spätestens seit Köln. Angst ist aber ein Alarmsignal“, sagte Raksch gestern zum Courier. Er habe nur einen Anstoß geben und (noch) keine Bürgerinitiative gründen wollen. Mit Ausländern hat Dietmar Raksch keine Probleme. „Ich war Betriebsratsvorsitzender im Teppichwerk Neumünster und hatte viele ausländische Kollegen. Ich bin kein Rassist. Ich weiß auch nichts von einer Bürgerwehr“, sagte er. Es gehe ihm nur um die ungleiche Verteilung innerhalb der Stadt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen