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Experten-Tipps : In die Ballsaison lieber mit Fliege als mit Krawatte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Herrenmaßschneider Sandro Dühnforth und Designer Dirk Grenke geben Tipps für das perfekte Ball-Outfit.

Neumünster | Das eine oder andere Mal hätte Sandro Dühnforth seine Brille beim Ball des Sports in den vergangenen Jahren lieber abgenommen, denn in den Augen des Fachmanns gibt es dort manch    kleidertechnisches Elend zu sehen. Er hat halt ein Auge für das perfekte Outfit; und an Perfektion, Stil und Etikette  liegt dem gebürtigen Neumünsteraner Herrenmaßschneider mit Atelier in Hamburg viel: „Ein Dresscode zeigt den Respekt gegenüber dem Gastgeber.“ Das sieht auch  Designer Dirk Grenke aus Nortorf so. Beide trafen sich gestern beim Holsteinischen Courier und gaben Tipps, was  Mann und Frau in der anstehenden  Ballsaison tragen sollten – und was lieber nicht.

 Fest steht: Frauen haben viel mehr Möglichkeiten als Männer. „Für die Herren ist ein Smoking im Prinzip Pflicht, auch wenn es nicht auf der Einladung steht“, sagt Sandro Dühnforth. Schwarz oder nachtblau muss er sein und aus Wolle – wohlgemerkt vom Tier, denn eine der größten Sünden ist der Baumwoll-Anzug. „Der knittert extrem, das geht gar nicht“, sagt Dühnforth.

Er ist im Vicelinviertel aufgewachsen, wo heute noch seine Mutter wohnt. Mit 24 Jahren verließ er Neumünster, um im Franziskanerkloster in Fulda seine Ausbildung zum Herrenschneider zu machen. Heute ist er einer der letzten  echten Könner seines Faches in Deutschland. Er unterscheidet zwei Kleidungstypen: die Traditionsbewussten, zu dem die meisten gehören, und die Paradiesvögel.  Am Beispiel des Smokings sieht das dann so aus:  Der Traditionsbewusste trägt dazu ein weißes Hemd, ein weißes Einstecktuch und eine schwarze Fliege. Das klassische Smokinghemd ist keine Pflicht mehr. „Eine Krawatte geht   gar nicht“, betont Dühnforth.   Abgerundet wird das Outfit  mit einer schwarzen Hose und schwarzen, auf Hochglanz polierten Lackschuhen. „Wir haben in Neumünster zwei der bundesweit besten Schuhmacher,  die helfen bestimmt“, sagt der Experte. 

Der andere Typ, der Paradiesvogel, bringt gern Farbe ins Spiel. Einstecktuch und Fliege dürfen gerne auch mal blau oder türkis sein und nehmen im Idealfall die Farbe vom Abendkleid der Begleiterin auf.

Aber natürlich sind die Damen die Blickfänge der gesellschaftlichen Höhepunkte.  Sie können im Prinzip alles tragen, aber Achtung: „Wenn es die Proportionen und der Stil zulassen“, unterstreicht Dirk Grenke. Was passt und wo etwas retuschiert werden kann, zeigt der Designer seinen Kundinnen im Beratungsgespräch auf  humorvolle Weise. „Wir sind dann ja unter uns und können auch über Problemzonen reden“, sagt er.

Grundsätzlich gilt: Auch bei den schönsten und längsten Beinen sollte die Dame eine Strumpfhose tragen, das Kleid sollte nicht zum Mini verkommen. Schuhe mit Absätzen ja, aber bitte nur so hoch, dass ein gerader und aufrechter Gang und damit ein flotter Tanz möglich ist. „Immer mindestens vier Wochen vorher einlaufen, egal ob Herren- oder Damenschuh“, rät Grenke. Dezente Accessoires machen seiner Ansicht nach in der Regel mehr her als fünf Ringe an jedem Finger oder „die Bürgermeisterkette um den Hals“. 

Wer Interesse  an einer Maßanfertigung hat, ist bei Dühnforth und Grenke gerne gesehen – allerdings erst für die  Ballsaison 2016/17, denn „wir brauchen immer so acht Wochen, bis alles fertig ist“, sagt Grenke.   Die individuellen Stücke sind nicht ganz günstig; der Smoking beginnt bei 3000 Euro, das Ballkleid bei 1200 Euro. Für alles aber gilt laut Dühnforth: „Stil kann man damit nicht kaufen. Den muss man selber mitbringen.“

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