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Diamantene Hochzeit : In der Tonhalle funkte es vor 64 Jahren

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Herta (82) und Günter (89) Förster feiern heute diamantene Hochzeit. Wichtig sind ihnen der gegenseitige Respekt und der liebevolle Umgang miteinander.

Neumünster | Es gibt Momente im Leben, die sind entscheidend. Als Günter Förster 1951 in die Tonhalle zum Ball der Bürger- und Mittelschüler schlenderte, erblickte er Herta Omnitz. „Sie stand da so in der Tür, da habe ich gedacht, die nehme ich mir“, erinnert sich der heute 89-Jährige schmunzelnd. Sie lacht, als er das sagt, und es ist diese Herzlichkeit, die beiden aus den Augen blitzt und die sie sich bis heute bewahrt haben. Sie verliebten sich, heirateten und sind auch nach 60 gemeinsamen Ehejahren glücklich miteinander: Das Paar aus Wittorf feiert am heutigen Donnerstag das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

Die Tonhalle war schon ein besonderer Ort für das Paar: Nach dem gewissen ersten Blick wurde das Kult-Lokal ein regelmäßiger Treffpunkt. Als Starsänger Vico Torriani nach Neumünster kam, lud Günter seine Herzensdame zum Konzert ein. „Das war etwas Besonderes. Damals nach dem Krieg gab es nicht viel Kultur. Die Band ‚Die Melodys‘ von Georg Schulz, der später den Mädchen-Musikzug gründete, haben wir oft gehört“, erinnert sich Günter Förster. Musik bedeutete Lebenslust, das Aufatmen nach schrecklichen Zeiten. Er überstand den Zweiten Weltkrieg glücklicherweise unbeschadet, obwohl er während der Lehre zum Feinmechaniker bei der AEG zur Marine eingezogen wurde.

Herta Förster (82) erlebte nach der Flucht aus ihrer Heimatstadt Danzig das Kriegsende in Dänemark und kam nach Neumünster, wo ihr Vater und ihre Geschwister bereits gelandet waren. Nach dem Krieg wurde er Bauhilfsarbeiter, absolvierte eine Maurerlehre und arbeitete bei diversen Firmen, dann 25 Jahre als Polier bei Detlef Alpen.

Er baute quasi halb Neumünster auf, war aber auch außerhalb von Schleswig-Holstein im Rheinland und anderweitig unterwegs, immer dort, wo es Arbeit gab. Sie arbeitete bei Hertie, nach der Familienphase dann 15 Jahre bei Nortex. 1959 wurde das Glück perfekt: Tochter Susanne (56) kam auf die Welt. 1968 folgte die zweite Tochter Christine (47). Auch haustechnisch vergrößerte sich die Familie: Zuerst waren die Verhältnisse mit einer Zwei-Zimmer-Wohnung beengt; 13 Jahre wohnten sie an der Vicelinstraße auf 45 Quadratmetern. Dann wurden an der Helmoldstraße Häuser gemeinschaftlich gebaut und anschließend verlost.

Günter Förster war vom Fach und ist immer noch stolz darauf, wie er und die anderen Siedler das wuppten: „Immer nach Feierabend wurde mit bloßen Händen gearbeitet. Die Häuser, die wir gebaut haben, sind alle trocken und okay. Bei anderen war das nicht immer so.“ 1969 zogen sie in ihr heutiges Haus.

Wie hält eine Ehe so lange? Die beiden schauen sich an. „Wichtig ist der gegenseitige Respekt“, sagt sie. Und es sind wohl auch die liebevollen Komplimente, die Günter Förster seiner Frau in seiner ruhigen und humorvollen Art macht: „Sie war schon immer eine hübsche Frau“, sagt er und meint das zeitlos – und sie schaut ihn fröhlich an. Es waren aber auch die gemeinsamen Hobbys: 25 Jahre tanzten sie in der Tanzschule bei Birgit Prasse, unternahmen viele Fahrradtouren, machten einmal im Jahr Urlaub – mit dem ersten Auto, einem Fiat, in Frankreich an der Côte d’Azur, später auch in Österreich und Dänemark. Sie hatten einen großen Freundeskreis, genossen das Leben und puzzelten gemeinsam im Garten („Er pflanzt und sät, ich ernte“). Er spielte 20 Jahre im Keyboard- und Orgelclub, der im inzwischen abgerissenen Weberhaus am Schleusberg sein Vereinsheim hatte – und spielte nicht nur auf vielen Feiern, sondern gab auch seiner Herta so manches Ständchen und sorgte für gute Laune.

„Das Leben hatte Höhen und Tiefen. Aber so richtig Krach hatten wir nie“, sind sie sich einig. Er schaut verschmitzt drein und nennt sie liebevoll „mein Schieterlein“. „Wir wünschen uns vor allem, dass wir gesund bleiben, wollen jeden Tag genießen und gemeinsam zusammen sein. Wichtig ist es, dass es den Kindern gut geht“, sagen sie. Die Töchter, ihr Anhang sowie die Enkel Annabel (27) und Marvin (22) gratulieren aufs Herzlichste; gefeiert wird im Kreis der Familie.

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erstellt am 06.Aug.2015 | 06:00 Uhr

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