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FEK : In der Psychiatrie sind bald die Türen auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neues Konzept „Menschen statt Mauern“ wird im Friedrich-Ebert-Krankenhaus ab März umgesetzt / Frauen und Männer sind künftig auf einer Station

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 08:18 Uhr

Neumünster | In den psychiatrischen Stationen des Friedrich-Ebert-Krankenhauses (FEK) wird sich in den nächsten Wochen einiges ändern. Das neue Konzept sieht unter anderem vor, dass es künftig viel mehr offene als geschlossene Türen gibt und Frauen und Männer gemeinsam auf einer Station untergebracht werden. Außerdem wird Neumünsters „Sechster Stock“ (Synonym für Psychiatrie) nun auch auf der fünften Etage angesiedelt.

„Manches in unserem Konzept ist längst überfällig, anderes ziemlich modern“, sagte gestern Dr. Rolf Drews, leitender Facharzt an der Klinik für Neurologie und Psychiatrie. Seit 30 Jahren gehe der Weg hin zu mehr Selbstbestimmung der psychisch kranken Patienten, und auch in Neumünster gelte künftig die Maßgabe „Menschen statt Mauern“.

Nur noch für wirklich gefährliche oder durch starke Selbstmordgedanken gefährdete Patienten werden Zimmer in einem geschlossenen Bereich vorgehalten. Alle anderen können tagsüber (mehr oder weniger) kommen und gehen, wie sie wollen. Drews: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Verbote und verschlossene Türen viel mehr Verstöße und Gefahren herausfordern als offene Türen.“ Künftig gibt es keine Sperre mehr am Ausgang, sondern eine Rezeption mit neu geschultem Personal. „Da ist dann die Kunst der Ansprache gefragt. Wir werden schon genau hinschauen, welcher Patient das Haus verlässt und wann er zurückkommt“, sagt Drews. Wenn wirklich einmal jemand abhaue, gebe es sehr kurze Drähte zur Polizei, so der Facharzt.

Zeitgemäß ist nach seinen Worten die gemeinsame Unterbringung von Frauen und Männern auf einer Station. „Diese Trennung, die wir jetzt noch haben, ist eigentlich Psychiatrie des 19. Jahrhunderts“, sagte Drews. Aber es werde weiter einen Rückzugsbereich für Frauen geben, die das wünschten. Und eine gemeinsame Station mache die Arbeit auch einfacher für das Personal. Im Sechsten Stock sind 33 Pflegekräfte, 10 Ärzte und 4 Psychologen beschäftigt.

Derzeit wird die Station 51 auf der fünften Etage (früher Entbindungen) renoviert. Sie nimmt künftig eine von drei Abteilungen der Psychiatrie auf. Ab März wird das neue Konzept umgesetzt. Der Umbau kostet 250 000 Euro. Bis 2020 wandert die Psychiatrie dann im Neubau ins Erdgeschoss. Dann sind die Zeiten der verschlossenen Panzerglasfenster endgültig vorbei; auch suizidgefährdete Patienten können dann in einem Innenhof ins Freie.

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