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Ein Tag bei der Berufsfeuerwehr : In der nächsten Minute kann sich alles verändern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Männer und Frauen der Berufsfeuerwehr sind Lebensretter, aber auch Techniker, Praktiker, Berater und Seelentröster.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Neumünster | Langeweile ist für Stefan Hennig ein Fremdwort. Wenn der Wachführer der Berufsfeuerwehr nach Feierabend sein Büro in der Feuer- und Rettungswache verlässt, hat er Dienstpläne erstellt, Übungen organisiert oder Menschen aus dem Feuer gerettet. „Was genau der Tag bringt, kann man nie vorher sagen. Das kann sich in der nächsten Minute ändern“, erklärt der 47-Jährige. Der Courier durfte mit ihm eine Tagschicht der Profi-Retter mitmachen.

7 Uhr. Schichtbeginn für die 27 Mitglieder der zweiten von drei Wachabteilungen. Antreten in der Fahrzeughalle. Hennig ist für das Tagesgeschäft verantwortlich, Steinert der Einsatzleiter für die kommenden 24 Stunden. Kurze Dienstbesprechung. Nach der Fahrzeugübernahme    und -kontrolle werden die Aufgaben verteilt. Zwei Kollegen in die Funkwerkstatt, zwei weitere zum Schläuchereinigen und -reparieren, einer kümmert sich um die Wäsche. An einem Einsatzfahrzeug müssen defekte Rücklichter ausgetauscht werden. Wer glaubt, die Männer und Frauen – heute sind es nur Männer – warten nur auf den Alarm und drehen ansonsten Däumchen, liegt falsch.

10.30 Uhr: Timo Langermann und Florian Greggersen sind heute in der Atemschutzwerkstatt. Sie überprüfen Geräte und reinigen Lungenautomaten. „Die Atemschutzgeräte sind unsere Lebensversicherung. Sie müssen im Einsatz funktionieren“, sagt Langermann.

11.48 Uhr: Bei Disponent Dennis Sekowsky in der Leitstelle geht der Notruf für den 2666. Rettungseinsatz in diesem Jahr ein. Er kommt aus der Grundschule Wittorf. Eine Lehrerin meldet einen gestürzten Jungen. Sekunden später piept es bei Kai Kruse und Björn Waters in der Rettungswache. Die beiden Rettungsassistenten springen ins Fahrzeug, schalten Blaulicht und Sirene ein und düsen an den Kiefernweg. Unterwegs füllt Kruse schon mal einen Bericht aus. Dokumentation ist wichtig. Knappe sechs Minuten später sind sie da. Der Unfall ist in der Sporthalle passiert, deshalb hatte Sekowsky Einweiser bestellt. Das klappt. Kruse und Waters werden von vielen Kindern zum Unfallort begleitet. In der Halle liegt der Neunjährige auf dem Hallenboden; er ist benommen, aber bei Bewusstsein. Er ist offenbar beim Balancieren von einer Bank abgerutscht und unglücklich auf den Kopf gefallen. Die Eltern sind informiert. Kruse und Waters laden den Schüler ein und finden die richtigen Worte: „Du bist ja ein kleiner Held. Alles dreht sich um Dich.“ Auch einen Teddy haben sie als Tröster dabei. Aufmunterung ist wichtig, gerade bei Kindern. Dann geht es ins FEK. Der Junge wird in der Chirurgie aufgenommen. Kruse und Waters fahren zurück.

13.22 Uhr: Die Mittagspause ist seit 20 Minuten vorbei. Eine Alarmübung auf dem benachbarten Kasernengelände steht an. Hennig fährt mit Praktikant Julian Gühlstorff zu einem Häuserblock. Im ersten Stock soll er eine Person mimen, in deren Wohnung es brennt und die über die Drehleiter gerettet werden muss. Hennig setzt den Notruf ab. Wenige Augenblicke später rückt der Löschzug an. Einsatzleiter Jan Steinert erkundet die Lage. Jeder weiß, was er zu tun hat. Der Löschtrupp ist mit Hilfe von „Harry“, einem selbstentwickelten Rammbock, im Nu im Haus. Gühlstorff wird über die Drehleiter „gerettet“. Nach 20 Minuten ist alles vorbei. „Das hat prima geklappt“, lobt Hennig. Die Stimmung ist prächtig.

15 Uhr: Wachwechsel. Die neuen Kollegen der ersten Wachabteilung treffen ein. Hennig hat Feierabend. Ein unspektakulärer Tag geht zuende, aber langweilig wurde es nie.

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