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Erstaufnahme in SH : In der Boostedter Rantzau-Kaserne: „Hier schläft keiner auf dem Flur“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

15 Häuser werden komplett ausgestattet . Am Wochenende soll die Zahl der Flüchtlinge in Boostedt auf 1540 steigen.

Boostedt | Was zurzeit für die Erweiterung der Flüchtlingserstaufnahmestelle in der Boostedter Rantzau-Kaserne geleistet wird, ist gigantisch. In wenigen Tagen wurde die Einrichtung von 500 auf rund 1300 Betten in elf Gebäuden aufgestockt. Weitere 700 Plätze werden jetzt nach und nach geschaffen. 240 werden es noch diese Woche sein. Nächste Woche sollen 240 weitere folgen. Damit sind dann 15 Häuser komplett ausgestattet, um den Flüchtlingen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Irak ein Dach über dem Kopf zu bieten. Bereits zum Wochenende wird mit einer Belegung von 1540 Personen gerechnet.

Möglich ist diese kurzfristige Erhöhung der Kapazität durch die vorgezogene Freigabe des Kasernengeländes durch die Bundeswehr (der Courier berichtete). Doch die zur Verfügung stehenden ehemaligen Unterkünfte der Soldaten waren leer. Das heißt, hier fehlt es an Betten, Matratzen, Schränken, Tischen und Stühlen. Es müssen Waschmaschinen, Kinderbettchen und Mülleimer besorgt werden. Aber auch Kissen und Decken, Bettwäsche und Handtücher sowie zahllose andere Dinge des täglichen Lebens bis hin zu Windeln und Toilettenpapier müssen geordert, verteilt und aufgebaut werden.

Eingerichtet werden muss zudem der Speisesaal im Gebäude der ehemaligen Mannschaftsverpflegung (400 Plätze), der ab Montag mit einem Essenslieferanten aus Hamburg an den Start gehen soll. Dazu kommt die Koordination von etlichen Handwerkern und Dienstleistern.

Dieser gewaltigen Aufgabe widmen sich zurzeit der Projektleiter der Besonderen Aufbauorganisation Flüchtlinge (BAO) für Boostedt, Polizeirat Jörg Rieckhof, sowie Karina Grün und Dietrich Könnecke aus der Verwaltung der Polizeidirektion Segeberg. Deren Telefone sind praktisch im Dauereinsatz. 1000 Fragen wollen beantwortet, Bestellungen aufgegeben und Personal koordiniert werden. Gesten beim Ortstermin stand zum Beispiel plötzlich ein Lastwagen mit Material im Zentrallager, der wegen fehlenden Personals nicht entladen werden konnte. Um dem abzuhelfen, rief Könnecke kurzerhand die Bundeswehr an, die postwendend ein Dutzend Soldaten zur Hilfe schickte.
„Wir arbeiten eng mit dem THW, der Bundeswehr, aber auch mit der Feuerwehr zusammen. Die Zusammenarbeit klappt super. Dies gilt insbesondere auch für die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, die bei der Betreuung der Flüchtlinge Großartiges leisten. Alle sind hier mit Herz und Hand bei der Sache. Keiner guckt auf die Uhr. Alle wollen es schaffen, den Flüchtlingen eine anständige Bleibe zu bieten. Hier schläft keiner auf dem Flur“, erzählt Karina Grün, die gemeinsam mit ihrem Kollegen seit Monaten in Sachen Einrichtung von Unterkünften unterwegs ist.

Die gute Zusammenarbeit sowie auch die friedliche Atmosphäre auf dem Gelände lobt auch Jörg Rieckhof. „Wenn man vor Ort ist und die Menschen sieht, denen die Erschöpfung der Flucht ins Gesicht geschrieben steht, dann weiß man, ganz unabhängig von der politischen Diskussion, für wen man das hier macht“, sagt er. Die Flüchtlinge seien freundlich und überaus dankbar. „Und wenn dann ein lachendes Kind auf einen zugelaufen kommt, ist das ein echtes Erfolgserlebnis“, meint er abschließend.

Zur im Aufbau befindlichen infrastrukturellen Ausstattung der Einrichtung teilt Frank Matthiesen, Leiter des Führungsstabes der Polizeidirektion Bad Segeberg, mit, dass die Polizeistation auf dem Gelände von jetzt 4 auf 18 Stellen ausgebaut werden soll. Die Polizeistation in Boostedt selbst bleibe wie bisher bestehen.

Geplant sei außerdem ein medizinisches Zentrum, dass sowohl mit Ärzten als auch mit Personal für die Krankenpflege besetzt werden wird. Ebenfalls eingerichtet werden sollen ein Schulzentrum sowie weitere Büros für das Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Geplant ist auch die Einrichtung eines freien Internetzugangs auf dem Gelände.

„Ich habe größten Respekt und Hochachtung vor dem unermüdlichen Einsatz der Kollegen. Aber ich habe auch Sorge darum, wie lange sie dies noch durchhalten können. Denn auf Dauer kann keiner einer solchen Belastung standhalten. Und ein Ende ist nicht abzusehen“, sagt Frank Matthiesen.

 

BAO Besondere Aufbauorganisation Flüchtlinge

Seit dem 24. August unterstützt die Landespolizei in Form einer „Besonderen Aufbauorganisation“ (BAO) das Amt für Ausländerangelegenheiten bei der Bewältigung des Zustroms von Flüchtlingen.

Ziel dieses Krisenstabes ist es, allen ankommenden Flüchtlingen die notwendige Unterbringung, Versorgung und Sicherheit zukommen zu lassen. Um dieses Ziel angesichts des hohen Flüchtlingszustroms gewährleisten zu können, hat die BAO Flüchtlinge SH den erweiterten Auftrag erhalten, Unterbringungskapazitäten für 15 000 Flüchtlinge zu realisieren.

Derzeit sind rund 480 Angehörige der Landespolizei, die insgesamt 7000 Mitarbeiter zählt, in die Gesamtaufgaben der BAO Flüchtlinge SH eingebunden. Dies ist einmalig in der Geschichte der polizeilich geführten Sondereinsätze.

 











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