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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 08:43 Uhr

Zirkus Krone : In 30 Minuten zum Weißclown

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tonito Alexis ist Spaßmacher in fünfter Generation und einer der letzten Könner seines Fachs. Der Courier durfte ihn beim Schminken begleiten.

Neumünster | Man sieht dem jungen Mann den Schalk im Nacken irgendwie gleich an. Die Augen funkeln, das Lächeln wirkt gekonnt. Die Begrüßung ist herzlich. Tonito Alexis hat gute Laune, und die braucht er auch, schon aus beruflichen Gründen. In einer Stunde beginnt die erste Sonntagsvorstellung vom Zirkus Krone auf dem Jugendspielplatz. Es ist Zeit, sich zu verwandeln. Vom hübschen Sohn des großen Toni Alexis aus Spanien in einen der letzten professionellen Weißclowns Europas.

Während er die weiße Bühnenfarbe dick ins Gesicht schmiert und anschließend an die Haut anklopft, erzählt der 23-Jährige aus seinem Leben, einem Leben für und mit Zirkus Krone. Bereits vor seiner Geburt stand der gebürtige Dürener im Bauch von Mama Jeanette auf der Bühne. Nicht nur seine Eltern waren Clowns, auch sein Opa, Ur-Opa und Ur-Ur-Opa sowie seine Onkels brachten die Leute zum Lachen. So stand für ihn seine Profession schnell fest: „Als mein Vater mich mal fragte, ob ich vielleicht Anwalt werden möchte, habe ich ihn nur komisch angeschaut.“

Viele Dinge, die andere in der Schule lernen, hat Tonito im Zirkusleben mitgenommen. Er spricht fließend sechs Sprachen und spielt Saxofon, Trompete, Posaune und Concertino. Übrigens: Sein Lieblingsfach in der Zirkusschule von Krone war angeblich die Pause. Tonito kann sich ein Leben außerhalb des Zirkus’ schlecht vorstellen. In vielen Städten und Ländern hat er Freunde, die mit dem Leben in der Manege nichts zu tun haben. „Ich werde unruhig, wenn ich länger an einem Ort bin“, sagt er und macht die weiße Farbe mit einem Wattestäbchen und einem Lippenstift an den Stellen weg, die er gleich schwarz und rot färben will.

15 Minuten sind vergangen. „Ich orientiere mich immer an der Musik aus dem Zelt, dann weiß ich, welche Nummer an welcher Stelle ist und wieviel Zeit ich noch habe“, sagt Tonito. Mit einem Konturstift zeichnet er sich geschwungene Bögen über die Augen, einen Punkt auf die Wange. Die Nasenunterseite, Lippen und Ohren werden anschließend rot. Mit 16 hat er seine Eltern in der Manege als Weißclown überrascht. „Spontan haben wir unsere Nummer geändert. Wir verstehen uns mit Blickkontakten“, erzählt er.

Dann ist eine halbe Stunde um, Tonito ist fertig. Intellektuell sieht er aus, ein wenig autoritär, besserwisserisch; genauso wie ein Weißclown sein soll. „Doch am Ende lassen immer die dummen Auguste den Weißclown alt aussehen. So ist das Spiel“, sagt Tonito. Dann verlässt er seinen Schminkwagen direkt hinter dem Zirkuszelt und betritt den Manegen-Eingang. Der Auftritt beginnt.

Wer den Weißclown noch sehen möchte, muss sich beeilen. Der Zirkus Krone gastiert noch bis morgen in Neumünster. Heute sind die Vorstellungen um 15.30 Uhr und 20 Uhr, morgen dann nur noch um 15.30 Uhr. Karten gibt es an der Zirkuskasse und im Kundencenter des Holsteinischen Courier am Kuhberg.

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erstellt am 21.Sep.2015 | 12:00 Uhr

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