Improvisation war Trumpf bei Musikern und Organisation

Ausnahmetalent Marcel Schaie an der Posaune begeisterte in der Kantschule.
Ausnahmetalent Marcel Schaie an der Posaune begeisterte in der Kantschule.

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21. November 2013, 12:50 Uhr

Es lief nicht so wie geplant, aber Improvisation gehört zum Jazz. Ausnahmeposaunist Marcel Schaie wollte mit seiner Band zu einem kostenlosen Konzert in der Aula der Kantschule auftreten, und das zu einem Teil gemeinsam mit der Bigband der Schule. Doch dann war deren Leiter Klaus Schmidt erkrankt und von Schaies Band fehlten auch zwei Musiker. So stellten die Akteure einfach Stühle auf die Bühne und es entstand ein intimer Clubcharakter für die 50 Gäste, die den Musikern fast auf der Pelle saßen.

Für Pia Holtz, Imke Gerdes (beide Trompete), Bastian Biedermann (Gitarre), Denise Sellin (Bass) sowie Schlagzeuger Tim Benedikt Kupke von der Bigband der Kantschule war es ein bisher einmaliges Erlebnis mit Marcel Schaie gemeinsam als Bigband zu agieren. Schaie gilt als große Nachwuchshoffnung Deutschlands an der Posaune und wurde mit dem Kulturförderpreis Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Jan-Christoph Mohr (Piano), der selbst schon die Schulband leitete, steuerte eine „Welturaufführung“ mit einem Stück „Salzige Nüsse am Meer“ bei. Im zweiten Teil groovten Schaie und Band mit ausschließlich von ihm komponierten Titeln, mit dabei der Hamburger Ausnahmebassist André Schulz und Jazzpodiumspreisträger Oliver Sonntag am Schlagzeug. Natürlich bestimmte Marcel Schaie mit der Posaune die Szene und glänzte mit einem unglaublich variantenreichen Spiel von sanften Jazz-Pop-Tönen bis hin zu rockigen Licks. Seine Soli entlockten den Zuhörern mehrmals Bravorufe und Szenenapplaus. Der Sound seines Mentors, Posaunenlegende Nils Landgren, war deutlich herauszuhören. Der Nachwuchsposaunist ließ auch seinen Kollegen genügend Raum für eigene Soli, etwa bei dem Blues „Too Much Tension To Mention“. Interessant, dass Schaie auch über die Entstehung seiner Titel philosophierte. „In The Cycle“, sehr poetisch, sei entstanden, weil er immer wieder den gleichen „Kreis“ von Zuhause zur Uni und umgekehrt gelaufen sei. Am Schluss des Konzertes verkündete er, warum er in einer Schule mit seinen Musikern kostenlos auftrete: „Das liegt an meiner Einstellung. Ich bin für ein soziales Prinzip: Jeder gibt was er hat und kann.“ So sammelten Pia Holtz und Imke Gerdes am Eingang mit dem Hut für die Musiker.


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