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Fahrerflucht weitet sich aus : Immer mehr Unfallfahrer machen sich aus dem Staub

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Jahr 2016 waren es 800 Fälle, die beim Unfalldienst der Polizei angezeigt wurden.

Neumünster | Meist ist es die kleine Schramme beim Ausparken, mal wird ein Laternenpfahl touchiert, aber auch bei schlimmeren Karambolagen hält längst nicht jeder Unfallfahrer an und kümmert sich um den Schaden, den er angerichtet hat – oder sogar um Verletzte. So sucht die Polizei seit gut zwei Wochen nach einem unbekannten Taxifahrer. Der hatte offenbar an der Ecke Saalestraße/Havelstraße beim Abbiegen eine junge Radlerin zur Vollbremsung gezwungen. Die Frau stürzte und verletzte sich schwer. Das Taxi fuhr davon und wird seitdem von den Ermittlern gesucht (der Courier berichtete).

Auch in Neumünster wurden in den vergangenen fünf Jahren zunehmend so genannte Verkehrsunfallfluchten bei der Polizei angezeigt. 590 Taten führt Polizeioberkommissar Rolf Peters vom Unfalldienst in Neumünster für das Jahr 2012 in seiner Statistik. 2013 waren es 605 Fälle, 2014 schon 640, im Jahr 2015 stieg die Zahl auf 750 und im vergangenen Jahr auf 800 an. Rund die Hälfte der Fälle sind von vornherein kaum aufzuklären. Für die Ermittler sind das die sogenannten Unbekanntsachen. Das sind zum Beispiel kleine Schrammen im Lack, die erst Tage später und in erster Linie für die Versicherung angezeigt werden. Oft weiß der Betroffene nicht einmal, wann genau und auf welchem Parkplatz sein Wagen beschädigt wurde.

In der anderen Hälfte der Fälle sehen Peters und seine Kollegen durchaus Ermittlungsansätze. „Wir müssen dem Verursacher seine Schuld nachweisen, etwa durch Lackübertragungen, passende Schäden oder gute Zeugen“, erzählt der Experte vom Unfalldienst. Rund ein Drittel der Fälle wird schließlich aufgeklärt.

Nicht immer fahren die Verursache aber in böser Absicht davon. Zu den Verursachern zählen laut Polizei seit einigen Jahren auch immer mehr ältere Verkehrsteilnehmer, deren Hör-, Seh- oder motorische Fähigkeiten eingeschränkt sind. „Die fahren auch vor Zeugen weg, weil sie den Unfall tatsächlich nicht mitbekommen haben“, so Peters. Gibt es Indizien auf Einschränkungen, wird die Führerscheinstelle benachrichtigt.

Schwere Unfälle mit Fahrerflucht passieren meist unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Aber auch wer sich ohne Führerschein ans Steuer setzt, macht sich im Zweifelsfall anschließend lieber aus dem Staub.

Berufskraftfahrer fürchten häufig nach Unfällen um ihren Job, so dass auch mancher das Weite sucht. Manche Fahranfänger hingegen wissen vor Schreck nach einer kleinen Karambolage oft gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, und fahren lieber nach Hause und fragen die Eltern.

Leicht zugenommen hat laut Peters auch die Zahl von ausländischen Unfallfahrern. In deren Heimatländern sieht man manchmal einen kleinen Rempler nicht so eng. Die verstünden erst mal die Aufregung gar nicht, immerhin sei die Stoßstange doch dafür da, berichtet der Polizeioberkommissar.

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erstellt am 28.Jun.2017 | 11:00 Uhr

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