zur Navigation springen

Trend in Neumünster : Immer mehr Senioren geben den Führerschein ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Jahr 2013 tauschten 76 ältere Neumünsteraner den Führerschein gegen eine kostenlose Busfahrkarte. Das Verfahren der Rückgabe wurde vereinfacht. „Das ist eine feine Sache“, sagt der Rentner Gerhard Wagner.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 16:30 Uhr

Neumünster | Es war nur ein Blechschaden, aber Gerhard Wagner machte das schon nachdenklich. Seine Kinder Gernot (59) und Gudrun (64) redeten ihm gut zu: „Ehe Du einen schweren Unfall verursachst, gib doch bitte den Führerschein ab.“ Der damals 84-Jährige hörte auf sie. „Man gibt zwar einen Teil seiner Freiheit auf, aber das ist eine feine Sache“, sagt er. Er liegt damit im Trend: 2013 gaben in Neumünster 76 Senioren freiwillig ihren „Lappen“ ab und tauschten ihn gegen eine Bus-Jahreskarte der Stadtwerke ein – eine Steigerung gegenüber den Vorjahren.

2010 waren es noch 45 Senioren, die nicht mehr Auto fahren wollten, ein Jahr später 54; einen deutlichen Sprung verzeichnet die Statistik der städtischen Führerscheinstelle 2012 mit 72 Rückgaben; 2014 waren es bis Anfang April bereits 22. Ob die Zunahme auf den steigenden Anteil Älterer an der Bevölkerung liegt oder eher an der Einsicht, nicht mehr sicher Auto fahren zu können, steht nicht fest. Eines aber ist klar: Wie lange man noch Auto fahren sollte, ist ein wichtiges Thema für ältere Menschen. „Wir haben regelmäßig Anfragen von Senioren, die beispielsweise Angst haben, in der Dunkelheit zu fahren oder sich einfach nicht mehr sicher am Steuer fühlen“, sagt Seniorenbüro-Leiterin Romi Wietzke.

Um es dieser Klientel einfacher zu machen, kooperieren Führerscheinstelle und Stadtwerke noch enger miteinander. Bisher musste man sich eine Bescheinigung ausstellen lassen, ging mit dieser zur Abostelle der SWN im Hauptbahnhof und erhielt dort die Jahreskarte. Dieser Weg entfällt: Die Karte wird jetzt direkt in der Führerscheinstelle der Stadt an der Plöner Straße 27 (City-Parkhaus) ausgehändigt. Dort werden auch Fragen zur Führerscheinabgabe beantwortet – per Telefon (942-0) oder per E-Mail (fuehrerscheinstelle@neumuenster.de).

Die Frage, ob Senioren entsprechend ihrem steigenden Anteil an der Bevölkerung auch mehr an Unfällen beteiligt sind, verneint die Polizeistatistik. 2013 waren Senioren an 88 Unfällen mit Personenschaden (insgesamte Anzahl der Unfälle: 353) beteiligt. 2012 waren es 101 Unfälle (insgesamt: 399). Verursacht wurden 2013 genau 49 Unfälle durch Senioren (2012: 61).

Falls nicht freiwillig verzichtet wird und ein Senior einen Unfall baut, kann die Polizei einschreiten, die Weiterfahrt untersagen oder sogar den Führerschein einziehen.

Es kann aber auch niedrigschwelliger weitergehen: „Grundsätzlich kann ein persönliches Gespräch vereinbart werden, in dem der Betroffene ausführlich beraten wird“, so Jens Dittebrandt von der Führerscheinstelle. Anhand des Polizeiberichts wird geklärt, was vorgefallen ist, außerdem werden gesundheitliche Einschränkungen wie Medikation, Sehhilfen, Hörgeräte erörtert. Dann wird der Autofahrer überprüft, ob er geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Möglich sind fachärztliche Untersuchungen, die dann ein Gutachten oder auch eine Fahrprobe bei einer Prüfstelle nach sich ziehen, so Dittebrandt.

Gerhard Wagner ist keine Gefahr im Straßenverkehr. Er hat umgesattelt auf ein Dreirad, das ihm beim Radeln Stabilität gibt und mit dem er trotzdem seine persönliche Mobilität aufrecht erhalten kann.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen