Neumünster : Immer mehr Mitglieder wollen klagen

Der alte ist fast der neue Vorstand: Astrid Abandowitz (1. Vorsitzende, vorne), Helga Meisner (2. Vorsitzende, zweite Reihe links), Sabine Grams (Beisitzerin), Angela Wilke (Schatzmeisterin), Peter Kammhoff (Schriftführer) sowie (hinten von links) die Beisitzer Silke Brügmann und Gerd Döding.
Der alte ist fast der neue Vorstand: Astrid Abandowitz (1. Vorsitzende, vorne), Helga Meisner (2. Vorsitzende, zweite Reihe links), Sabine Grams (Beisitzerin), Angela Wilke (Schatzmeisterin), Peter Kammhoff (Schriftführer) sowie (hinten von links) die Beisitzer Silke Brügmann und Gerd Döding.

Sozialverband erstreitet 2017 fast 200 000 Euro für seine Mitglieder, doch die Rechtsberatung ufert aus. Vorstand wiedergewählt.

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12. März 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Der Ortsverband Neumünster des SoVD (Sozialverband Deutschland) ist der größte in Schleswig-Holstein und nach Witten (Nordrhein-Westfalen) sogar der zweitgrößte der Republik. Das ging aus dem Bericht der Vorstandsvorsitzenden Astrid Abandowitz am Sonnabend bei der Mitgliederversammlung hervor. Aktuell gehören 4098 Neumünsteraner dem SoVD an, im Kreisverband (mit Einfeld) sind 4328 Mitglieder organisiert.

Einerseits freute sich die ehrenamtliche Vorsitzende über die steigende Mitgliederzahl. Andererseits gab sie zu bedenken: „Es zeigt auch auf, wie immer mehr Bürger sich der komplizierten Sozialgesetzgebung gegenüber hilflos fühlen und deshalb bei uns sozialrechtliche Beratung und Vertretung suchen.“ Sie machte deutlich, wer beim Verband um Hilfe anklopft: „Viele politische Entscheidungen treffen genau diejenigen hart, die sich nicht aus eigener Kraft wehren und retten können: Rentner, Menschen mit Behinderungen, mit niedrigem Einkommen, Kranke, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose.“ Auch Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger, selbst langjähriges SoVD-Mitglied, kritisierte, dass Teilhabe am Leben an Hörgeräten oder Gehhilfen scheitere: „Es macht mich unglaublich zornig, wenn ich mitbekomme, dass Menschen so etwas nicht gewährt wird. Da hat dann der Sozialstaat versagt.“

So setzt sich der SoVD unter anderem für eine Rente ein, die den Lebensstandard sichert. Wie erfolgreich die Ehrenamtler bei ihrer Arbeit sind, belegte Astrid Abandowitz mit Zahlen aus dem Jahr 2017. Demnach hat der Ortsverband 137 600 Euro an Nachzahlungen erstritten und 60  700 Euro an monatlichen Zahlungen. „Das sind ganz enorme Summen“, meinte sie. Pro Sprechstunde kommen im Schnitt 16 Mitglieder, und hauptsächlich geht es dabei um Fragen zur Krankenversicherung und zur Rente. Insgesamt gab es 367 Beratungen.

„Am meisten fällt auf, dass Arbeitslose und Kranke von Amt zu Amt geschickt werden und sich im Behördendschungel nicht mehr zurecht finden“, monierte Abandowitz. Kritik ging aber auch in die eigenen Reihen: „Immer öfter sehen uns manche Mitglieder als ihre Alltagsbegleiter. Dies können wir nicht leisten.“ Zudem wollen immer mehr Mitglieder den Rechtsweg betreten, auch bei Ausweglosigkeit, denn eine Klage koste Mitglieder nur 34 Euro.

Auf der Tagesordnung standen auch Wahlen. Ohne Gegenstimmen und ohne Gegenkandidaten wählten die 138 Stimmberechtigten unter den 154 Besuchern im Kiek In ihren alten Vorstand wieder. Lediglich Fred Inselmann (77) hört nach zwölf Jahren als Schatzmeister auf. Seinen Posten übernimmt nun Angela Wilke (52). Sie arbeitet in einem Altenheim, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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