Neumünster : Immer mehr Katzen werden ausgesetzt

Alle drei Stunden aufpäppeln: Mit großem Appetit saugt ein kleines Katzenkind aus dem Fläschchen, das ihm Max Bergmann (13) aus Groß Kummerfeld gibt. Fotos: Vaquette
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Alle drei Stunden aufpäppeln: Mit großem Appetit saugt ein kleines Katzenkind aus dem Fläschchen, das ihm Max Bergmann (13) aus Groß Kummerfeld gibt. Fotos: Vaquette

Im Tierheim Wasbek tummeln sich viele Katzenkinder. Viele Halter scheuen die Verantwortung.

shz.de von
11. August 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Fiepend liegt das Katzenjunge in der Hand, die Äuglein sind noch geschlossen. Dann fühlt es den Schnuller, reißt das Mäulchen auf und saugt gierig und mit großem Appetit am Milchfläschchen. Das ist ein Anblick, der sich in fast jedem Quartier im Tierheim Wasbek bietet. Dort herrscht zurzeit ein Katzenkinder-Boom – denn viele Halter haben ihre trächtigen Katzenmütter vor der Abfahrt in den Urlaub alleingelassen. „Es sind definitiv in den Ferien mehr Tiere ausgesetzt worden. Für mich sieht es so aus, dass sich die Menschen nicht mit einem Wurf kleiner Katzen belasten wollen, denn die Katzenkinder machen viel Arbeit“, erklärt Bianca Schenk vom Tierheim Wasbek.

Die 47-jährige Tierschützerin hat sich eine Nacht um die Ohren geschlagen, denn bei einer Katze, die das Team „Julia“ getauft hat, gab es Probleme bei der Geburt. „Das hat sich über zwölf Stunden hinweggezogen“, sagt Bianca Schenk. Zurzeit sind 31 Babys und fünf Katzenmütter im Tierheim – eine Mammutaufgabe für die Tierschützerin und ihr Team – plus weitere „normale“ Fundtier-Katzen. In einigen Fällen kann Bianca Schenk definitiv durch Informationen belegen, dass es tatsächlich Urlauber waren, denen die Katzen gehörten – und das Verhalten der Tiere unterstrich dieses: „Sie waren ausgesprochen zahm.“ Einige Katzen-Mamas stammen auch aus Beschlagnahmungen.

Bei 15 Katzenkindern müssen die Tierschützer aus Wasbek nun nachhelfen und alle drei Stunden mit Milchfläschchen füttern. „Die Mütter haben nicht genug Milch. Der Stress des Einfangens und der Entbindung macht sich so bemerkbar. Für eine gewisse Zeit können Katzen auch die Geburt unterdrücken, wenn sie sich nirgendwo sicher fühlen, aber nur begrenzt. Wenn sie dann entbinden, ist das sehr schwierig“, erklärt Bianca Schenk.

Auch Ehrenamtliche oder Praktikanten packen mit an – so wie Max Bergmann (13) von der Gemeinschaftsschule Brachenfeld aus Groß Kummerfeld. Mit viel Geduld gab er den Katzenbabys Fläschchen und massierte hinterher die prallen Bäuchlein.

Auch Kleintiere wurden vermehrt in der Ferienzeit ausgesetzt. Von ehemals 13 Kaninchen logieren noch vier in geräumigen Käfigen, der Rest ist schon vermittelt. „Hamster und Meerschweinchen, die ausgesetzt werden, registriert man nicht, weil die in der Regel von Füchsen oder Mardern gefressen werden. Aber bei Kaninchen ist es auffällig, vier Stück kamen in fünf Tagen. Und es war eindeutig, dass es Leute waren, die in den Urlaub fuhren. Aufmerksame Nachbarn haben gesehen, dass zwei Kaninchen orientierungslos auf dem Rasen vor der Wohnung saßen, und haben uns alarmiert.“

Wenn so ein Anruf kommt, sind die Helfer im Tierheim eine Art „Tier-Feuerwehr“. „Wir haben mal mitgezählt, an einem Tag hatten wir 100 Anrufe.“ So melden sich zum Beispiel Leute, die einen Hund herrenlos umherlaufen sehen – später kommt die Entwarnung, dass er seinem Besitzern nur ausgebüxt war. Aber häufig heißt ein Anruf: Rein ins Auto und los, Lage sichten, Tier einfangen, zum Tierarzt, Papierkram. Aber auch wenn sehr viel zu tun ist: „Lieber mit den Tieren ins Heim statt dass sie herumstreunen. Aber eigentlich sollte sich jeder Katzenbesitzer seiner Verantwortung bewusst sein und seine Tiere konsequent kastrieren“, sagt sie und erzählt vom aktuellen Fall eines Messie-Haushalts, in dem 18 Katzenkinder „aus jeder Spalte hervorgeströmt kamen“. Die ersten Kitten sind bereits zu vermitteln.

Wer mit Futterspenden oder Zubehör helfen möchte: Tel. 0157/ 86 22 03 42.

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