zur Navigation springen

Beratungszentrum Mittelholstein : Immer mehr Jugendliche in der Krise

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Unterstützungen stieg in fünf Jahren um 41 Prozent. Die Leistungsgrenze der Mitarbeiter ist erreicht.

Neumünster | Arbeitslosigkeit, Lebenskrisen, Erziehungsprobleme: Immer mehr Neumünsteraner nehmen die kostenlose, unbürokratische und vertrauliche Hilfe des Beratungszentrums Mittelholstein der Diakonie (BZM) Am Alten Kirchhof 12 in Anspruch. Die Zahl der Ratsuchenden steigt seit fünf Jahren kontinuierlich an. Waren es 2009 noch 656 Fälle, erhöhte sich die Zahl 2014 um 41 Prozent auf 925. „Wir arbeiten jetzt an der Leistungsgrenze“, sagt Fachbereichsleiterin Gundula Deicke. Die Folge: Wartezeiten verlängern sich. Um Angebote wie das soziale Kompetenztraining oder Gruppen für Kinder aus Trennungsfamilien überhaupt aufrecht erhalten zu können, ist die Einrichtung auf Spenden angewiesen.

Acht Berater – Psychologen, Sozialpädagogen und Therapeuten – sind auf fünf Stellen aufgeteilt. Das BZM besteht seit 1975 als psychologische Beratung und ist seit 2000 bei der Diakonie angesiedelt. Es arbeitet eng mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt, Kindertagesstätten, Schulen, medizinischen Diensten und niedergelassenen Psychotherapeuten zusammen. Neben der aus kirchlichen Mitteln finanzierten Partner- und Lebensberatung ist die Erziehungs- und Familienberatung das deutlich größere Themenfeld. Dieser Bereich wird von der Stadt finanziert. Hier stieg die Zahl der Beratungsfälle von 731 in 2013 auf 786 im vergangenen Jahr an.

Die Betroffenen lebten zur Hälfte bei einem alleinerziehenden Elternteil, 17 Prozent in so genannten Patchwork-Familien. Rund die Hälfte der Hilfesuchenden ist auf staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld und Hartz IV angewiesen. Auffällig: „Häufig starten junge Erwachsene bereits belastet ins selbstständige Leben oder in das Elterndasein. Ein steigender Anteil der Klienten hat in seiner Jugend selbst Unterstützung durch Hilfsmaßnahmen erhalten, etwa durch die Unterbringung in Wohngruppen oder sozialpädagogische Einzelbetreuung“, sagt Gundula Deicke. Konflikte und Spannungen seien da oft programmiert.

Im Bereich Partner- und Lebensberatung zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier waren fast 40 Prozent der Beratungen für 18- bis 27-Jährige. In fast der Hälfte der Fälle ging es um Probleme mit der eigenen Gesundheit und psychischen Erkrankungen.

Der Jugendhilfeausschuss soll heute dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, den Zuschuss fürs BZM rückwirkend ab 1. Januar um 10 Prozent (40  000 Euro) aufzustocken und den Personalkostenanteil jährlich um 2 Prozent anzuheben, beginnend mit dem Jahr 2016. „Gibt es eine Zustimmung, schließen wir damit die vorhandene Deckungslücke. Für neue Stellen oder Angebote reicht das aber nicht aus. Dabei haben wir eigentlich Bedarf und noch viele Ideen für neue Angebote“, sagt Gundula Deicke.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 24.Mär.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen