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Holsteinischer Courier

16. August 2017 | 20:03 Uhr

Waffen : Immer mehr Bürger rüsten auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Anträge für Kleine Waffenscheine sind in der Stadt sprunghaft gestiegen.

Neumünster | Bei der Ordnungsbehörde der Stadt erlebt Peter Eggers das Unsicherheitsgefühl der Neumünsteraner. Fast täglich beantragen Bürger bei ihm einen sogenannten Kleinen Waffenschein, der zum Führen von Schreckschuss-, Reiz- und Signalwaffen berechtigt.

„Wir haben im gesamten Jahr 2015 nur 17 Kleine Waffenscheine erteilt. Jetzt sind es innerhalb von sechs Wochen schon 27, weitere zehn Anträge werden zurzeit noch geprüft“, sagt Eggers, der beim Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung für Jagd- und Waffenangelegenheiten zuständig ist. Sieben von zehn Antragstellern seien Männer.

„Führen heißt bei sich tragen zum eigenen Schutz“, sagt Eggers und betont: „Das offene Tragen und zur Schau stellen ist nicht gestattet.“ Auch das Benutzen einer Schreckschusswaffe ist nur im Rahmen der Notwehr gestattet. Der Kleine Waffenschein wurde 2003 mit einem neuen Waffengesetz geschaffen. Die Vergabe sei „sehr restriktiv“, die Voraussetzungen (siehe Infokasten) werden penibel geprüft, sagt Eggers. Anträge von Leuten mit Vorstrafen etwa hätten keine Chance.

Natürlich fragt sich auch Eggers, warum die Zahl der Anträge seit Jahresbeginn so sprunghaft gestiegen ist. „Wenn man die Leute fragt, lautet die Antwort fast immer: das Unsicherheitsgefühl.“ Seit den Silvesterereignissen sei das deutlich gestiegen. Von US-amerikanischen Verhältnissen seien Deutschland und Neumünster aber immer noch weit entfernt. So gibt es in Neumünster zurzeit insgesamt nur 173 Besitzer eines Kleinen Waffenscheins. Einen Großen Waffenschein zum Tragen scharfer Schusswaffen gibt es nur einmal in der Stadt. Quasi von Amts wegen hat ein Tierarzt im Landeslabor dieses Dokument.

Auch wenn die absoluten Zahlen noch gering sind, ist der Trend doch deutlich. Auch die Neumünsteraner rüsten auf. Und im Nachbarkreis Segeberg sieht es ähnlich aus. Im vergangenen Jahr gab es 126 Anträge auf einen Kleinen Waffenschein, in den Jahren davor lag der Schnitt bei etwa 50 Anträgen.

Peter Eggers warnt jedoch: „Waffen bieten nur eine trügerische Sicherheit. Und auch Schreckschusswaffen und -munition sind nicht ungefährlich und können sogar tödlich sein.“ Ähnlich kritisch äußert sich Polizeisprecher Rainer Wetzel: „Wir raten grundsätzlich von einer Bewaffnung ab. Das Risiko ist sehr groß, dass man in einer Gefahrensituation falsch reagiert.“

Ein Täter könne die Waffe an sich bringen und gegen den Eigentümer verwenden. Wer sich legal eine Waffe zulegt, sollte sich daher kundig machen. Ein Selbstbehauptungstraining kann er dagegen empfehlen. Eine Faustformel: Sich auf das Bauchgefühl verlassen, für Begleitung sorgen, sich abholen lassen. Wetzel: „Das ist nicht peinlich, sondern vernünftig.“

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erstellt am 13.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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