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30 Jahre Blaues Kreuz : Immer im Einsatz gegen die Sucht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor 30 Jahren gründeten Gabriele und Eckhard Krause die Selbsthilfegruppe in Neumünster.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | An die Anfänge des Blauen Kreuzes in Neumünster erinnern sich Gabriele (69) und Eckhard Krause (70) noch genau. „Wir saßen bei uns im Wohnzimmer im ersten Stockwerk. So konnten wir immer hören, wenn unser kleiner Sohn sich unten meldete. Das war ganz praktisch“, erzählt das Paar schmunzelnd. 30 Jahre ist das her. Am Sonntag wird das Jubiläum der Selbsthilfegruppe gegen die Alkoholsucht um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Tungendorfer Andreaskirche gefeiert. Die Predigt hält Tjard Jacobs, der Reisesekretär der Bundesvereinigung zu dem Thema „Leben ohne Sucht – Herausforderung eines befreiten Lebens“.

Den Entschluss, keinen Alkohol mehr zu trinken, fasste Eckhard Krause bereits als 16-Jähriger. „Damals las ich im Courier die Schlagzeile, dass 70 Prozent der Jugendlichen, die in den Knast gehen, ein Alkoholproblem haben. Und ich wollte nicht so werden wie die.“ Doch bis zur Gründung der Selbsthilfegruppe sollten noch 24 Jahre vergehen. Eckhard Krause arbeitete damals als Küster in der Lutherkirche. „Ich war 40 Jahre alt, mit meinem Beruf zufrieden, aber ich wollte mit Menschen auch außerhalb der Kirche über Gott reden.“ Ein Freund kam gerade aus einer Alkoholtherapie, da entstand die Idee. „Bei der ersten Sitzung saßen wir noch alleine mit ihm und einem weiteren Bekannten. Aber dann löste sich eine andere Selbsthilfegruppe auf, und plötzlich waren wir 20“, erinnert sich der Tungendorfer.

Seitdem kommen im Schnitt 20 bis 30 Klienten. Ihr Angebot hat sich vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen. Mittlerweile finden die Treffen immer montags von 19 bis 21 Uhr in der Andreaskirchengemeinde an der Wilhelminenstraße 4 statt. „Wir sind eine fröhliche Gruppe, fast schon wie eine Familie. Wir lachen viel und machen auch mehrtägige Ausflüge“, sagt Gabriele Krause. Doch damit ist die ehrenamtliche Arbeit längst nicht erledigt. Das Paar ist immer im Einsatz. Oft klingelt das Telefon, manchmal stehen die Leute auch einfach vor der Tür. „Natürlich helfen wir dann. Unser Ziel ist es, dass die Menschen zufrieden in der Abstinenz sind und wissen, dass sie das Zeug nicht brauchen“, sagt Eckhard Krause. Der Austausch und die Gespräche liegen ihm am Herzen. Immer motivieren die beiden Betroffene auch zur Therapie. Dabei betont er: „Wir sind Laien, keine Therapeuten.“ Und: „Auch die Angehörigen sollen kommen, das ist ganz wichtig. Nur gemeinsam kann man das Problem angehen.“ Schon die eine oder andere Ehe haben die beiden gerettet. „Es ist schön zu sehen, wie Familien anschließend wieder aufeinander zugehen“, sagt Gabriele Krause.

Langsam wollen sich die beiden Rentner nun aus der Leitung der Gruppe zurückziehen. Ein Nachfolger ist bereits ausgeguckt und wird eingearbeitet.

Doch bevor das soweit ist, wird nun erst einmal gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst erwarten die Krauses rund 80 geladene Gäste zu einem kleinen Fest in ihrem Garten. Dabei wird mit Sicherheit auch die eine oder andere Erinnerung wieder ausgetauscht.

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