Zirkus Charles Knie in Neumünster : Im Wohnwagen durch die Welt

Vera und Karim sitzen auf ihrem gemütlichen Sofa in ihrem gemeinsamen Wohnwagen.
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Vera und Karim sitzen auf ihrem gemütlichen Sofa in ihrem gemeinsamen Wohnwagen.

Vera (26) und Karim (24) reisen seit 2015 mit dem Zirkus von Gastspielort zu Gastspielort – es ist ein etwas anderes Leben.

shz.de von
21. April 2018, 07:30 Uhr

Neumünster | Sie lernten sich kennen wie so viele andere junge Leute auch. Auf einer Party sahen sich Karim und Vera 2014 das erste Mal. Es folgten Whats-App-Nachrichten und weitere Treffen. Seit 2015 sind die heute 26-jährige Ukrainerin und der 24-jährige Australier ein Paar. Doch ihr Leben ist anders als bei Gleichaltrigen. Beide leben und arbeiten im Zirkus Charles Knie.

Es ist eine dauerhafte Reise im Wohnwagen von Gastspielort zu Gastspielort. Elf Monate im Jahr. Karim hat seine Familie auf dieser Reise immer dabei. Gemeinsam mit seinem Vater Said und seinen Brüdern Sossien und Yassin tritt er als „Messoudis“ in der Manege auf, zeigt Jonglage und Artistik vom Feinsten. Vera ist neustes Mitglied im Clan der Australier. Auch sie ist in der Manege, tritt im Ballett auf. „Ich bin so froh, alle um mich zu haben. Das gibt mir viel Kraft“, sagt Karim, der mit neun Geschwistern aufgewachsen ist.

Viel vorbereiten muss sich der durchtrainierte junge Mann auf seine Auftritte nicht mehr. „Wir machen die Nummern schon seit Jahren, sind eingespielt“, sagt er. Das kommt dem Langschläfer entgegen. Manchmal bleibt er einfach bis mittags in seinem gemütlichen Wohnwagen. Vera hingegen muss morgens früher raus. Sie hilft zusätzlich zum Ballett im Büro und bei der Werbung mit. Dafür nimmt ihr Karim Arbeit im Haushalt ab – vor allem beim Kochen. „Ich koche sehr gerne“, erzählt er. Kein Wunder also, dass sich auch viele Kollegen mal abends bei ihm einfinden, wenn sie Lust auf ein gutes Essen haben. „Nur spülen ist nichts für mich, deshalb habe ich mir einen Geschirrspüler eingebaut“, sagt Karim und grinst.

Er ist glücklich über sein Leben und macht eine einfache Rechnung auf: „Ich arbeite quasi drei Mal zehn Minuten in der Manege und das zweimal am Tag. Den Rest habe ich Freizeit.“ Hinzu kommt, dass die Artisten, Dompteure und Darsteller an den Umzugstagen frei haben. „Wir gehen dann gerne raus in die Natur, in den Wald oder ans Wasser“, sagt Vera. Die meisten Städte kennt zumindest Karim schon. Er war bereits in 38 Ländern weltweit. Vera bringt es auf fünf Länder.

Maximal vier Jahre sollte man in ein und demselben Zirkus sein, sagt Karim. Damit ist im kommenden Jahr für ihn bei Charles Knie Schluss. Er schaut seine Vera an: „Ich werde mir etwas Neues suchen und hoffe, dass sie mitkommt. Schließlich möchte ich später vier Kinder haben.“ Sie nickt. „Vier ist eine gute Zahl.“ In rund zehn Jahren soll ohnehin Schluss sein mit Zirkus. „Meine Brüder und ich haben vorgesorgt, uns Immobilien gekauft und sind da im Geschäft“, erzählt Karim. Wohnungen und sogar eine Kneipe in Einbeck, dem Sitz des Zirkus’ Knie, besitzen die Messoudis bereits. „Dort sind wir bekannt.“ Seinen Traum für später hat Karim auch schon: „Ich will eine riesige Sauna-Landschaft bauen und betreiben.“

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