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Historische Fotos : Im Keller am Kleinflecken wurde gebadet

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Runde Tisch Kleinflecken organisierte eine Foto-Schau mit Bildern von Anliegern. Zu sehen sind die Reinigung Schwartz und das Lebensmittelgeschäft Schäfer

Neumünster | Generationen von Neumünsteranern haben in der „Dampf-Waschanstalt“ von Andreas Schwartz ihre Wäsche gewaschen oder später im öffentlichen „Victoriabad“ am Kleinflecken 32 ein Bad genommen. An diese Zeiten erinnern seit gestern historische Aufnahmen, die der Runde Tisch Kleinflecken im Marktmeister-Häuschen am Kleinflecken unter dem Titel „Flecken-Fenster ganz privat“ zeigt.  Die Aufnahmen stammen aus dem Familienalbum von Jürgen Schwartz (69), dem Enkel des Firmengründers. Er führte die Wäscherei und Reinigung mit seiner Frau Margot (69) bis 1991.

„Damals hatten viele Leute noch keine Badewanne zu Hause. Viele ältere Herrschaften kamen zu uns und erzählten, dass sie früher im Keller gebadet haben“, erinnert sich das Ehepaar, das auch heute noch in dem Haus wohnt, in dessen Erdgeschoss die Firma Jablonka zu finden ist. Die alten Bilder zeigen das Gebäude, einen Lieferwagen mit einer Pferdestärke mit Wilhelm Schwartz, dem Vater von Jürgen, der die Wäsche  mit einem Fuhrwerk abholte, und Wäscherinnen, die „Vatermörder körbeweise“ reinigen; es gab speziell eine für das Aufbügeln dieser Hemdkragen entwickelte Maschine. „Der Stehkragen wurde wegen seiner Unbequemlichkeit so genannt. Temperamentvolle Tänzer hatten für eine schweißtreibende Nacht gleich mehrere Vatermörder bei sich“, sagt die Journalistin Monika Krebs vom Runden Tisch Kleinflecken.

Die einstige Färberei wurde dann eine chemische Reinigung. Ein Schild entführt in alte Zeiten – mit einer Liste der Gewichte von Pullovern, Strickjacken, Wolldecken, damit die Selbstbedienungs-Maschinen nicht überlastet wurden. Acht Pfund Kleidung kosteten acht Deutsche Mark.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen fast völlig zerstört; 1947 beschlagnahmten die Engländer die Firma und das Wohnhaus. 1950 wurde die Reinigung wieder eröffnet. Bis zu 60 Mitarbeiter wurden beschäftigt, ehe die Firma 1991 geschlossen wurde.

Ebenfalls zu sehen sind alte Aufnahmen aus den 20er-Jahren vom Lebensmittelgeschäft Schäfer am Kleinflecken 35, wo heute die Markt-Apotheke ist. Die Fotos stammen von Ilse Schäfer (101), die seit über 60 Jahren dort wohnt und die Fotos für die Ausstellung stiftete. Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus mit ausgebautem Satteldach ist im Jugendstil erbaut und hat an der linken Seite auffallende Kasten-Erker. Es  steht unter Denkmalschutz, wurde 2013 umfangreich renoviert und zeigt nun seine schöne Fassade in frischem Glanz. 

Die Firma Schäfer hatte Kunden weit über  Neumünster hinaus, verfügte über einen Lieferservice mit eigenem Auto.  Auch ein Rabattsystem gab es für die Kundschaft. Vom Porzellan-Service befinden sich heute noch Teile im Familienbesitz.

„Die Ausstellung im Marktmeisterhaus regt die Menschen vor Ort zur Mitgestaltung an“, freute sich Pastorin Simone Bremer. Die Fotos sind drei Monate lang zu sehen.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 12:00 Uhr

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