Im Forst Iloo: Uhu sucht Männchen

Diesen Augen entgeht nichts: Der Uhu ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Jäger mit einem breiten Beutespektrum.  Fotos: Kühl
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Diesen Augen entgeht nichts: Der Uhu ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Jäger mit einem breiten Beutespektrum. Fotos: Kühl

Landesverband Eulenschutz wildert dreijähriges Uhu-Weibchen aus / Wiedereinbürgerung gelungen: 50 Brutpaare im Kreisgebiet

shz.de von
27. August 2012, 08:26 Uhr

AUKRUG | 50 nachgewiesene Uhu-Brutpaare gibt es im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Beim Landesverband Eulen-Schutz hofft man, bald Brutpaar Nummer 51 im Iloo-Forst bei Aukrug-Böken vermelden zu können. Dazu müsste nur das drei Jahre alte Uhu-Weibchen, das Landesverbands-Vize Dirk-Peter Meckel jetzt ausgewildert hat, erfolgreich mit dem Uhu-Männchen anbandeln, das im gleichen Waldgebiet zu Hause ist.

Als sich der Landesverband Eulen-Schutz 1981 gründete, gab es ein hauptsächliches Vereinsziel: die Wiedereinbürgerung des Uhus, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein komplett ausgerottet war. "Unsere Auswilderungsbemühungen hatten einen durchschlagenden Erfolg", vermerkt der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Dirk-Peter Meckel, "der Uhu ist heute nicht mehr gefährdet, und Schleswig-Holstein hat sich sogar zu einem der am dichtesten besiedelten Uhu-Gebiete in Europa entwickelt."

Knapp 400 Brutpaare von "Bubo bubo" (so die lateinische Artbezeichnung) gibt es im nördlichsten Bundesland, und immerhin 50 davon haben ihr Revier im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Wiedereinbürgerungsaktion des Landesverbands war so erfolgreich, dass es als Nebeneffekt nun auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Dänemark wieder Uhus gibt.

Der Uhu ist zwar mit einer Flügelspannweite von maximal 1,70 Meter und einem Körpergewicht von bis zu drei Kilogramm ein ziemlich majestätischer Vogel, lebt aber als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger ziemlich im Verborgenen. "Man sieht generell nicht viel von denen. Vielleicht hat man mal Gelegenheit, während der Novemberbalz in der Dämmerung am Waldrand auffliegende Uhus an ihren weißen Kehlflecken zu erkennen", weiß Meckel.

Der Schenefelder betreut die landesweiten Artenschutzprogramme für Steinkäuze und Schleiereulen, hat auch schon eine Reihe von Junguhus ausgewildert, war nun aber doch ziemlich beeindruckt von dem Fahrgast, den er von einer Tierauffangstation in Olpenitz nach Aukrug chauffierte: eine drei Jahre alte Uhu-Dame, die verletzt aufgefunden und daraufhin sechs Monate lang fachmännisch aufgepäppelt worden war. "Das ist schon ein mächtiges Tier", meinte Meckel, als er das Uhu-Weibchen aus seinem Reisekarton herausholte und im westlichen Bereich des Forstes an einem Waldrand in die Freiheit entließ.

Der Auswilderungsstandort war sorgfältig ausgewählt und mit dem zuständigen Forstamtsleiter abgesprochen. "Wir haben hier einen ebenso nahrungs- wie struktur- und deckungsreichen Lebensraum", erläuterte Meckel. "Hier soll auch ein Uhu-Männchen herumfliegen, also kommt es ja vielleicht zur Verpaarung", hoffte der Experte. Die Uhu-Dame ist mit intensivem Jagdtraining in einer Freiflug-Voliere auf ihre Auswilderung vorbereitet worden. Als sie nun das erste Mal in den Himmel des Naturparks Aukrug aufstieg, brach sie ihren Erkundungsflug aber schon noch ein paar Metern ab und legte erstmal eine Verschnaufpause mitten auf einer Wiese ein. Das Begrüßungskomitee ließ nicht lange auf sich warten. Zwei Krähen schlugen Alarm und veranstalteten Sturzflüge auf ihre neue Nachbarin, an denen sich dann auch noch ein Turmfalke beteiligte. Die Krähen und der Falke wissen, dass der Uhu in ihrem Revier von nun an den Platz an der Spitze der Nahrungskette einnehmen wird. Hauptbeutetier und Lieblingsspeise des Uhus ist die Ratte. "Aber grundsätzlich fängt sie alles, was größenmäßig unter ihr angesiedelt ist", erklärt Meckel und beginnt eine Aufzählung potenzieller Beutetiere: Wildenten und anderes Wassergeflügel, Mäuse, Igel, Krähen, Ringeltauben, Mäusebussarde, Waldohreulen und Waldkäuze. "Der Uhu ist ein ausgezeichneter Jäger", betont Meckel und verweist auf "den unheimlich kräftigen Schnabel und die mächtigen Fänge" des Uhu-Weibchens, das es auf eine Spannweite von etwa 1,60 Meter bringt: "Das ist ein Wahnsinnstier!"

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