Grossenaspe : Im Feuer haben sie alles verloren

Trotz der Katastrophe kann Andrea Todt (37) schon wieder leicht lächeln. Lediglich ihre drei Katzen und die Hündin Asha konnte sie aus dem brennenden Haus retten. Ihrem Sohn Jannis (5) ist das noch nicht klar. Er freut sich über seine neue Legobox. Der Junge weiß noch nicht, dass es momentan sein einziges Spielzeug ist.
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Trotz der Katastrophe kann Andrea Todt (37) schon wieder leicht lächeln. Lediglich ihre drei Katzen und die Hündin Asha konnte sie aus dem brennenden Haus retten. Ihrem Sohn Jannis (5) ist das noch nicht klar. Er freut sich über seine neue Legobox. Der Junge weiß noch nicht, dass es momentan sein einziges Spielzeug ist.

Bewohner der abgebrannten Gaststätte Zur Mühle stehen nach dem Brand vor dem Nichts

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19. Dezember 2014, 05:45 Uhr

Grossenaspe | Blass und übermüdet sieht Andrea Todt aus. In der Nacht zu Donnerstag hat sie kaum geschlafen. Zu tief sitzt der Schock in der dreifachen Mutter, die am Mittwoch beim Brand der Gaststätte Zur Mühle in Großenaspe alles verloren hat.

„Solange man beschäftigt ist, geht es. Aber wenn ich zum Nachdenken komme, muss ich immer wieder weinen“, sagt Andrea Todt leise. Gott sei Dank, ihre Familie selbst blieb verschont: Als das Feuer ausbrach, war die 37-Jährige gerade unterwegs, ihren fünfjährigen Sohn Jannis in den Kindergarten zu bringen. Ihre Tochter Nathali (13) war schon in der Schule und auch die Älteste, Jessica (18) war nicht im Haus.

„Bei der Rückkehr kam ich direkt auf den Brand zu“, erinnert sich die Mutter. „Da hat die Feuerwehr noch versucht, den Gebäudeteil mit unserer Wohnung zu retten. Ich bin dann durch die Hintertür noch einmal in das Haus rein und konnte gerade noch unsere Hündin Asha und die drei Katzen sowie unsere Fotoalben retten. Alles andere ist verbrannt.“

Die Familie steht buchstäblich vor dem Nichts. Die wichtigsten Papiere, Urkunden und Ausweise wurden ebenso von den Flammen verschlungen wie Mobiliar, Vorräte oder Wäsche. Auch die Weihnachtsgeschenke sind in dem völlig niedergebrannten Haus verschmort.

Das Ordnungsamt Bad Bramstedt Land und das Jobcenter Kaltenkirchen bemühten sich gestern um erste Hilfe für die Familie. Vorrangige Aufgabe ist es jetzt, eine neue Wohnung für die Mutter und ihre drei Kinder zu finden. Ersten Unterschlupf hat die Familie in der Wohnung von Jannis Vater gefunden – das ging allerdings nur vorrübergehend.

Inzwischen hat eine Anwohnerin aus Großenaspe Andrea Todt eine passende Ersatzwohnung angeboten. „Wenn das Amt jetzt zustimmt, können wir dort Dienstag schon rein“, erklärt Andrea Todt erleichtert, denn am meisten vermisst sie ihre Kinder. Nathali ist zurzeit bei ihrem Onkel in Quickborn, und Jessica kam bei ihrem Freund unter.

Dankbar ist die Mutter für die zahlreichen Hilfsangebote aus der Nachbarschaft. „Heute hat den ganzen Tag das Telefon geklingelt. Das hat mich sehr berührt, sagte Andrea Todt gestern. „Wenn wir es bis Weihnachten schaffen, dass jeder wieder ein eigenes Bett hat, bin ich schon zufrieden.“ Dringend benötigt wird zudem aber auch ein Kleiderschrank und eine Waschmaschine sowie weitere Ausstattung für den Neuanfang.

„Erst beim Einkaufen habe ich realisiert, dass wir keine Zahnbürsten mehr haben. Das war ein Gefühl, als ob mir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht“, sagte Andrea Todt: „Ich glaube, ich habe das alles noch gar nicht wirklich realisiert.“

Über der Brandruine lag auch gestern den ganzen Tag über schwerer Brandgeruch. Die Kripo hat den Brandort weiträumig abgesperrt. Die Brandermittler werden allerdings voraussichtlich erst im Januar anrücken, um die Brandursache genau zu erforschen.

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