Heidmühlen : Im Dorf sollen wieder Knickharfen gepflanzt werden

Ein Platz für ein Kulturdenkmal: Klaas Meyer- Gerhards steht am Wall beim Sportplatz, wo Knickharfen wachsen könnten.
Ein Platz für ein Kulturdenkmal: Klaas Meyer- Gerhards steht am Wall beim Sportplatz, wo Knickharfen wachsen könnten.

26 Flächen in der Gemeinde sollen nach dem Plan einer Projektgruppe ökologisch aufgewertet werden.

shz.de von
06. Januar 2018, 10:15 Uhr

Heidmühlen | Oft kurz, aber selten gut: Das trifft auf den englischen Rasen zu, der so gut wie keine biologische Vielfalt bietet. Um ihr Dorf ökologisch und optisch zu bereichern, will sich eine kleine Gruppe Heidmühlener Bewohner um die Renaturierung von 16 Gemeindeflächen im Ort kümmern, auf denen zurzeit überwiegend Rasen wächst. „Man kann diese Flächen ökologisch und kulturell enorm aufwerten“, erklärte Klaas Meyer-Gerhards, der zusammen mit vier weiteren Naturfreunden das Projekt gestaltet.

Ob Heidelandschaft, Streuobstwiesen, Wachholder oder der für Heidmühlen einst typische Trockenrasen – die heimische Flora bietet viel Abwechslung und dient als Genpool für eine gesunde Entwicklung. Nebenbei wird die hiesige Pflanzenwelt so auch vor dem Verschwinden geschützt. Und bietet zudem eine weitere Etappe im gesunden Kreislauf der Natur, wie der Rechtsanwalt Klaas Meyer-Gerhards ergänzt: „Eine Vielfalt an Pflanzen ist wichtig, um dem Insektensterben entgegen zu wirken. Außerdem können sich in Büschen und Bäumen auch wieder Vögel niederlassen, die das Gebiet sonst überfliegen.“

In einem Infoblatt hat der Heidmühler Naturförderer Nikolaus Westphal den aktuellen Kulturzustand der einzelnen Flächen aufgelistet und Maßnahmen zur natürlichen Entwicklung aufgeführt. Fachliche Unterstützung hatte er dabei von dem Neumünsteraner Biologen und Nabu-Vorsitzenden Dr. Björn Rickert. Ein Vorschlag ist zum Beispiel, auf den kleinen Rasenstücken vor der Alten Meierei den Rotdorn zu entfernen und die Grasnarbe abzutragen. Pflanzt man stattdessen zum Beispiel Besenginster, Heidenelke, Orangerotes Habichtskraut oder Sand-Thymian ein und legt sogar noch Findlinge aus, bietet das Gebiet Lebensraum für seltene Tiere wie die Zauneidechse oder die Schmetterlingsarten Quendel-Ameisenbläuling und Hauhechelbläuling.

„Dieses Projekt ist wirklich besonders, denn so könnten wir innerorts statt außerorts lebendige Ausgleichsflächen für Bauland schaffen“, meinte Heidmühlens Bürgermeister Geert Uwe Carstensen. Finanzhilfe könnte die Untere Naturschutzbehörde liefern. „Die war wegen der Knickharfen, die wir am Wall beim Sportlerheim pflanzen wollen, ganz angetan. Denn das sind speziell beschnittene Hainbuchen, die früher als natürliche Hecke gedient haben. In Schleswig-Holstein gibt es die nur noch an drei weiteren Stellen“, sagte Nikolaus Westphal. In Heidmühlen wachsen sie am Holmsberg, allerdings schon seit fast 200 Jahren, schätzt Westphal: „Die leben nicht mehr lange.“

Mit dem Projekt sollen auch die nachfolgenden Generationen erfahren, wie es in Heidmühlen einst aussah, als die Böden noch mager und keine Importpflanzen wie zum Beispiel Thuja-Hecken angesetzt waren. „Der Trockenrasen etwa war typisch für Heidmühlen, er ist ein Hungerkünstler unter den Pflanzen und zieht viele Tiere an“, weiß Nikolaus Westphal. Auch Orchideen könnten dort gedeihen.

Ob und wie das Projekt umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Auf einer Gemeindevertretersitzung hat Nikolaus Westphal es der Öffentlichkeit vorgestellt, beschlossen wurde noch nichts. „Ich denke, wir werden das Paket aufschnüren und Fläche für Fläche diskutieren“, meinte der Bürgermeister.

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