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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 04:54 Uhr

Im Danken die Erinnerung bewahren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 00:31 Uhr

Ein gelber Zettel lag in meinem Briefkasten. Sperrmüll! Eine gute Gelegenheit sich von Dingen zu trennen, die Raum beanspruchen, wo eigentlich Raummangel herrscht. Sofort rief ich meinen Liebsten. Wenig begeistert aber doch willig, stimmte mein Mann zu, den Keller zu entrümpeln. Und dann ging es los: Bei den großen Teilen waren wir uns schnell einig. Ein Teil Sozialkaufhaus, ein anderer Sperrmüll. Wir kamen voran. Und dann ging es an die versteckten Teile. „Das doch nicht, man könnte es doch noch einmal gebrauchen.“ Hiermit hatte unsere Tochter doch so gerne gespielt, und weiß du noch, wie traurig sie war, als die Puppe scheinbar nicht mehr auffindbar war? Erinnerungen kamen uns. Und dann ganz plötzlich eine unscheinbare Kiste von der Größe eines Stiefelkartons. „Der kann doch wirklich weg“, so sagte es mein Mann. Doch ich hob den Deckel und was ich sah, ließ meine Augen leuchten: Eine alte Metrofahrkarte, sehr vergilbt, gab Zeugnis von unserer Studienreise nach Paris…weiß du noch…ein altes Foto aus Zeiten, wo wir uns kennen lernten …. ein selbst gebastelter Würfel unseres Sohnes „und weiß du noch, wie stolz er war, dass er wirklich die Form behielt, nachdem er ihn zusammengeklebt hatte, eine Hochzeitseinladungskarte einer Freundin, 24 Jahre ist diese Karte schon alt … viel Zeit ist vergangen und Freundschaft gewachsen. Eine Traueranzeige eines Freundes … und der Ablauf des Gottesdienstes.Tränen wurden geweint und getrocknet. Viele kleine Dinge, die man nicht mehr aufbewahren wollte und doch nicht wegschmeißen konnte. Meilensteine unseres Lebens. Wir brauchen sie manchmal um uns zu erinnern. Wie leicht verfliegen schöne Erlebnisse. Wie schnell gerät das Schöne, das ich erlebt habe, gerade in einer schweren Zeit aus dem Blick. Wer sich dann auch an gute Zeiten erinnern kann, trägt einen Schatz in sich, den er heben und von dem er zehren kann. Schöne Momente sind wie Oasen, die uns nähren, wenn wir durch wüste Zeiten gehen. Im Hebräischen hat das Wort „vergessen“ eine viel tiefere Bedeutung. Es hat die Bedeutung von „etwas aus seinem Besitz verlieren, - als hätte man es nie besessen.“ Gegen den Verlust, gegen das Vergessen hilft das Danken.

Bestimmt hat das auch der Beter des 103. Psalm gewusst, wenn er sagt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

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