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Holsteinischer Courier

24. November 2017 | 06:51 Uhr

Ich wollte umsorgt werden – und dann das

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 24.Apr.2014 | 10:49 Uhr

Uns Männern war immer klar, dass wir einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen müssen.

Neben diesen anstrengenden, schweren und aufopferungsvollen Aufgaben bleiben noch weniger mühevolle für unsere uns angetrauten Frauen übrig. Der Baum muss begossen, das Haus geputzt und das Kind erzogen werden.

Gegenseitig helfen wir uns natürlich im Falle einer Krankheit oder Hilfsbedürftigkeit immer gerne. Wobei ich hier feststellen muss, dass Frauen wesentlich widerstandsfähiger sind als wir Männer. Wir bedürfen daher deutlich mehr Zuwendung bei Krankheiten und anderen uns ereilenden Naturereignissen.

Dies hat meine Frau nicht verinnerlicht. Ich, ihr angetrauter Ehemann, hatte eine sehr schwere Operation an der Hand zu überstehen. Ein Finger meiner linken Hand hatte sich zu einem springenden Finger entwickelt. Außer den dabei entstehenden Schmerzen konnte es auch zu Missverständnissen in meiner Umgebung führen, denn immerhin war es der Mittelfinger.

Es war somit eine dringende Veränderung nötig. Danach hatte ich eigentlich erwartet, dass sich meine Frau liebevoll um mich und meine Bedürfnisse kümmert.

Ja, und dann dieses
Missgeschick. Auf dem
Großflecken wurden Fallen aufgestellt, Stolperfallen. Darüber ist meine Frau gefallen, buchstäblich. Stolpern konnte man eigentlich nicht, da die Hindernisse mit gelb angestrichenen Überwegplatten ohne Schwierigkeiten zu überqueren waren. Was folgte, war eine Knie-OP mit mehrtägigem Aufenthalt im Krankenhaus und weiterer Pflegebedürftigkeit zu Hause. Sie hat sich aus dem Staub gemacht, sie war fahnenflüchtig.

Und wer war nun gefragt? Ich mit meiner schweren Behinderung, denn ihre war größer. Ich, der sich auf eine Woche Ruhe mit liebevoller Betreuung durch meine Frau eingestellt hatte, musste nunmehr selbst ran.

Etwas Gutes hatte diese Aktion dann aber doch noch: Ich weiß wieder, wie die Waschmaschine angeschmissen wird und der Trockner funktioniert.

Jetzt geht es ihr wieder einigermaßen gut, mir aber auch. Die liebevolle Betreuung fällt also aus. Schade eigentlich.

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