Boostedt : „Ich muss mehr auf den Tisch hauen“

Ingrid Timm, Gleichstellungsbeauftragte des Amts Boostedt-Rickling (links), und die Referentin Jeanette Goslar gestalteten den Abend.
Ingrid Timm, Gleichstellungsbeauftragte des Amts Boostedt-Rickling (links), und die Referentin Jeanette Goslar gestalteten den Abend.

Zum Weltfrauentag gab es im Hof Lübbe einen Vortrag über Geschlechterrollen.

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10. März 2018, 09:15 Uhr

Boostedt | Männer denken an Sex, Frauen an Schuhe. Frauen können nicht einparken, Männer sind rücksichtslos. Sie ist bescheiden, er prescht vor – die vermeintlich geschlechtstypischen Zuschreibungen sind uferlos und zementieren Klischees – und sind dennoch nicht komplett von der Hand zu weisen, wie Jeanette Goslar am Donnerstagabend bei ihrem Vortrag in der Mensa der Grund-und Gemeinschaftsschule in Boostedt zeigte.

Anlässlich des Internationalen Frauentags referierte die Hamburger Juristin über die Frage „Frauen in Führung – eine Frage des Gehirns?“. Eingeladen hatte die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Boostedt-Rickling, Ingrid Timm, sowie die Boostedter Kommunalpolitikerinnen Marina Weber, Helga Heine, Annette Glage und Gabriele Luka-Reiter. „Wir möchten Frauen sichtbar machen, und zwar nicht nur am Herd und im Ehrenamt“, erklärte Boostedts zweite stellvertretende Bürgermeisterin Marina Weber. Die Referentin wollte dem Problem auf die Spur kommen, weshalb Frauen in Führungspositionen immer noch stark unterrepräsentiert sind. Dafür zog die Ex-Strafverteidigerin und systemische Beraterin neurowissenschaftliche Erkenntnisse heran und stellte fest: An den Gehirnen liegt es nicht.

Zwar gebe es strukturelle Unterschiede, die Männer anders ticken lassen als Frauen. Die seien aber nicht entscheidend für den Mangel an weiblichen Chefs. Vielmehr komme es auf ein komplexes, tief im Unbewussten verankerten und vererbten Gefühl an, so Jeanette Goslar: „Kulturelle Systeme gehen durch Generationen.“ Eltern geben an ihre Kinder in der Regel Rollenmuster weiter.

Um sich die Hindernisse wie etwa Angst vor Verantwortung im Betrieb selbst aus dem Weg zu räumen, riet sie den Frauen: „Benutzen Sie ihre Vorstellungskraft und koppeln Sie sie mit positiven Gefühlen. Und unterschätzen Sie nicht die Kraft der Sprache. Durch sie kann man sich unheimlich beeinflussen.“

Unter den 30 Gästen waren übrigens viele Männer. Nicht als „Quotenmann“, sondern aus echtem Interesse war Amtsvorsteher Geert Uwe Carstensen zum Vortrag gekommen und meinte: „Es war ein lebendiger, interessanter Vortrag.“ Besucherin Simone Böttger aus Boostedt bestärkte der Vortrag: „Ich habe mitgenommen, dass ich noch mehr auf den Tisch hauen muss.“

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