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Kunze-Konzert : „Ich muss euch nichts beweisen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Heinz Rudolf Kunze begeisterte im Alten Stahlwerk zwei Stunden lang mit zynischen und humorvollen Texten

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2015 | 18:44 Uhr

Neumünster | Bei seinem Gastspiel im Hotel Altes Stahlwerk hat Heinz Rudolf Kunze am Sonnabend ein ungewöhnlich intimes Konzert geboten: Solo, ganz ohne Band spielte er seine Lieder und machte sich einen Spaß daraus, das Publikum mit bizarren Geschichten in die Irre zu führen.

Auf den Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ ließ der Rockpoet die rund 230 Besucher seines pausenlosen Zwei-Stunden-Konzertes dabei natürlich ganz bis zum Schluss warten. Doch selbst danach hätte es, dem begeisterten Applaus nach zu urteilen, für die meisten gut noch ein Stündchen weitergehen können.

Seinen Einstand an diesem Abend gab Kunze in der ihm eigenen ironisch-introvertierten Art. Nachdem er die Bühne betreten hatte, ließ der Star zunächst den Begrüßungsapplaus gelassen über sich abregnen, nickte kurz in die Runde und setzte sich. „Ich hoffe auf Milde, Gnade und Freude. Ich muss euch nichts beweisen, und ihr braucht mir nichts zu beweisen“, verkündete er mit verhaltenem Lächeln. Und noch vor der ersten gespielten Note erklärte sich der Sänger und Literat weiter: Psychologen hätten festgestellt, dass kreative Menschen als Kinder oft umgezogen sind und Probleme mit der Mutter hatten. „Beides trifft bei mir zu.“ Dann griff er schließlich zu einer der drei Gitarren, die neben ihm aufgebaut waren. „Ultimatum“ hieß das erste Lied des Abends, in dem ein Mann nach sieben Strophen auf einen Stuhl steigt und sich „ohne Augenschließen“ erhängt, weil sein Leben ohne jede Erfüllung ist.

Ähnlich konsequent und nach Sinn suchend geht es in vielen Kompositionen von Heinz Rudolf Kunze zu. Doch genau dafür wird der bekennende Zyniker und bissige Sprachjongleur seit nunmehr 30 Jahren bewundert und gefeiert. Auch in Neumünster: Im Saal wurde fast jedes Lied mit viel Beifall und zustimmendem Pfeifen bedacht.
Zwischen Gitarren und Klavier wechselnd, spielte, rezitierte und sang der 59-Jährige mit nahezu gleichgültiger Mimik und doch mit großer Intensität. Das Publikum hing dabei aufmerksam und nahezu mucksmäuschenstill an seinen Lippen, um ja keine Pointe zu verpassen. Denn wer Heinz Rudolf Kunze aufmerksam zuhörte, konnte erkennen, dass „HRK“ durchaus über einen gesunden Sinn für, allerdings staubtrockenen, Humor verfügt.  

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