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Ich kann ohne Bedauern an meine begrabenen Träume denken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 31.Jan.2014 | 00:33 Uhr

„Es gibt Träume, die in Erfüllung gehen, und solche, die man begraben muss, damit sie ewig leben“, so die prosaische Traumbetrachtung der lettischen Schriftstellerin Zenta Maurina.

Mitunter scheint es wirklich, als müssen mehr Träume begraben werden, als dass sie in Erfüllung gehen. Nehmen wir nur die Traumfigur oder das Traumauto, die Traumwelt, den Traumurlaub oder alle die Vorstellungen oder Visionen, die mit dem Wort Traum beginnen und die Realität einen Traum lang ausblenden. Ersetze ich das Wort Traum einfach durch das banale Wort „schön“, kann ich auch gleich meine irrealen Träume begraben, denn schön ist alltagstaugliche Realität. Kaufe ich mir beispielsweise ein Ballkleid, darf es nicht nur schön sein, es muss traumhaft und bewundernswert sein und mich für ein paar Stunden in eine Traumwelt, an der Seite eines Traummannes in einem Traumauto entführen.

Zenta Maurina hat recht, wenn sie sagt: „Es gibt Träume, die man begraben muss, damit sie ewig leben.“ Traumhaft, dass das für alle Menschen auf dieser Welt gilt, weil nicht, wer wenig hat, arm und ohne Träume ist, sondern der, der viel braucht und viele Träume hat. Traumtänzern gehen die Träume am ehesten aus, und sie werden schnell zu ruinösen Albträumen. Mir macht es Spaß, ab und an ohne Bedauern oder Bitterkeit in meinen begrabenen Träumen herum zu wuseln, damit sie ewig leben können. Denn wenn meine Träume sterben, dann sterbe ich auch. So träume ich, noch lange träumen zu können. Wovon? Das überlasse ich meinen Tag- und Nachtträumen.


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