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12. Dezember 2017 | 13:54 Uhr

Jonny Griese : "Ich bin ein Mannschaftsspieler"

vom

Jonny Griese (66) mag gerne faire Wettkämpfe. Seine Ziele sind soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen Rassismus und Nazis.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 07:50 Uhr

Neumünster | Wenn Jonny Griese (66) von einer Ungerechtigkeit erfährt, lässt ihm das keine Ruhe. "Meine Oma war eine sehr gerechte Frau und ist immer eingeschritten. Das hat mich geprägt", sagt er. Sich für Schwache, Benachteiligte und die gerechte Sache einzusetzen, ist sein Ding. Der Kandidat der Linken hat sich immer schon für andere in den Ring geworfen. "Wenn man konsequent Interessen vertritt, kann es Schwierigkeiten geben. Aber ich bin ein Kämpfertyp. Das war schon bei meiner Geburt so. Ich kam mit der Nabelschnur um den Hals auf die Welt, 1946, in dem kältesten Winter damals. Die Hebamme sagte, dass das wohl nichts wird. Und statt Brei gab’s Kartoffelstärke", erzählt Jonny Griese.

Gekämpft hat er immer weiter - als Betriebsratsvorsitzender, Gewerkschaftssekretär und als Vorsitzender des Vereins für Toleranz und Zivilcourage. Er ist ein streitbarer Typ, arbeitet außerdem als ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsamt. Er kämpft auch in seiner Freizeit - spielerisch. 20 Jahre war er im Fußballverein SG Padenstedt, bis farbige Spieler eines anderen Vereins dort beschimpft wurden. Griese wechselte zum FC Torpedo. "Sport ist der soziale Kitt der Gesellschaft. Es geht darum, gemeinsam zu gewinnen oder zu verlieren. Man feiert zusammen, man erreicht gemeinsam ein Ziel. Ich bin ein Mannschaftsspieler", sagt der gebürtige Neumünsteraner, der als Sohn eines britischen Besatzungssoldaten seine Kindheit teils in Deutschland, teils in England verbrachte. Seine zweite Lieblingssportart Squash entdeckte er vor 20 Jahren. "Am Anfang habe ich gedacht, wie bescheuert das ist. Aber ich habe es ausprobiert, man ist richtig gefordert und danach ausgepowert." Als Morgenmensch schaltet er frühmorgens beim Angeln im Verein "Goldhaken" von der Hektik ab: "Das ist eine Seelenmassage."

Wichtig ist ihm, eine klare Position zu beziehen - ob auf dem Schulhof oder in der Politik, auch wenn er eigentlich nie Politiker werden wollte. Die geplante Umverteilung und Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien im Ahlener Programm der CDU 1947 war aus seiner heutigen Sicht die richtige Linie. Dann kam 1972 der Radikalenerlass unter Willy Brandt. Das brachte ihn auf die Palme, ebenso wie viel später die Agenda 2010 von Gerhard Schröder und Hartz IV. Die etablierten Parteien haben ihn enttäuscht: "Sie haben etwas versprochen und nicht gehalten", sagt der überzeugte Pazifist, für den die Linke "die einzige Friedenspartei" ist. Er tritt ein für ein friedliches Zusammenleben unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und sozialem Status und kämpft gegen Rassismus, rechtsradikales Gedankengut und Diskriminierung. Seine sozialen Forderungen: gute Bildung für alle, kein Betrieb ohne Betriebsrat, Zehn-Euro-Mindestlohn und gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Das Einkaufszentrum in der Innenstadt lehnt er ab. "Jeder zweite kauft heutzutage online. Das kann man der Stadt nicht zumuten. So ein Klotz passt nicht in die Innenstadt", sagt er.

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