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Anna-Katharina Schättiger : „Ich bin ein ausgleichender Mensch“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Anna-Katharina Schättiger (63) will sich heute Abend zur Stadtpräsidentin wählen lassen.

Neumünster | Kann man Neumünsteraner sein, ohne aus Neumünster zu stammen? – Anna-Katharina Schättiger hat darauf eine klare Antwort. „Ja! Wir sind hier zu Hause.“ Nach zehn Jahren in der Stadt fühlt sich die gebürtige Stockelsdorferin in Neumünster fest verwurzelt und erweist sich als leidenschaftliche Verteidigerin „ihrer“ Stadt. Heute kandidiert die 63-jährige Ratsfrau in der Ratssitzung als neue Stadtpräsidentin. Ihre Wahl gilt als sicher (der Courier berichtete).

Dabei ist es eigentlich ein Zufall, dass Neumünster ihr zur Heimat wurde: 2003 lernte sie ihren heutigen Ehemann Erhard Christian kennen, mit dem sie heute am Ilsahl eine Vermögensberatung betreibt. Er arbeitete damals in Schleswig, sie als Assistentin der Geschäftsführung in einem mittelständischen Unternehmen in Bargteheide. Der Familienrat schaute auf die Landkarte und entdeckte, dass Neumünster strategisch günstig lag. Anna-Katharina Schättiger erinnert sich noch gut an den Protest aus Verwandtschaft und Freundeskreis, als sie ihren Umzug an die Schwale ankündigte: „Neumünster? Seid ihr verrückt?!“

Die Schättigers ließen sich davon nicht beirren, fanden eine nette Wohnung – zunächst an der Franz-Rohwer-Straße, später an der Marienstraße – und überzeugten Freunde und Verwandte vorzugsweise auf ausgedehnten Radtouren, dass Neumünster weit besser ist als sein Ruf.

Immerhin führte nicht zuletzt das teilweise schlechte Image der Stadt dazu, dass sich die „Neubürgerin“ nach langer Familienpause wieder stärker der Politik zuwandte. Die Kritiklosigkeit der 68er-Generation, die das DDR-Regime oft als das bessere Deutschland pries, hatte sie, die in direkter Nachbarschaft zur Zonengrenze aufwuchs, schon als 15-Jährige zur Jungen Union gebracht. Sie blieb der CDU treu, sammelte unter anderem in Parteivorständen in Lübeck oder Hamburg Erfahrungen, allerdings ohne dabei ein politisches Mandat anzustreben. Nach 26 (!) Umzügen im Laufe ihres Arbeitslebens in Neumünster angekommen, ärgerte sie der schlechte Ruf der Stadt ebenso wie das Schlechtreden durch deren Bewohner. Daran wollte sie etwas ändern.

Die schnelle Aufnahme hat sie mitunter überrascht: Sighild Klamt lud sie eines Tages zur einer Sitzung der Frauen-Union. „Als ich wieder draußen stand, war ich stellvertretende Vorsitzende“, erinnert sie sich schmunzelnd. Auch ihr wirtschaftliches Wissen war bald gefragt. „Gesetze und Zahlen haben mich schon immer interessiert“, sagt sie. Die CDU schickte sie in den Finanzausschuss der Stadt – zunächst als bürgerschaftliches Mitglied, nach ihrer Wahl in die Ratsversammlung vor zwei Jahren als Ratsfrau.

Nicht so gern erinnert sie sich an ihr Gastspiel im Stadtteilbeirat Böcklersiedlung-Bugenhagen, in dem es damals hoch herging. Die CDU-Frau wollte sich die Grabenkämpfe nicht antun und verzichtete auf ihren Sitz. „Ich bin eher ein ausgleichender Mensch“, begründet sie diesen Schritt diplomatisch. Vermutlich auch deshalb hat ihre Fraktion sie vor vier Wochen als Nachfolgerin für den überraschend verstorbenen Stadtpräsidenten Friedrich-Wilhelm Strohdiek vorgeschlagen. Anna-Katharina Schättiger traut sich das Amt zu: „Ich kann vermitteln“, sagt die 63-Jährige selbstbewusst, und alles andere könne man lernen. Darum studiert sie zurzeit die Geschäftsordnung der Ratsversammlung, deren Sitzungen sie wohl von heute Abend an leiten wird.

Zwei Dinge stellt sie schon einmal klar: Selbstverständlich werde sie im Falle ihrer Wahl neutral steuern, aber das bedeute nicht, dass sie zum Beispiel auf CDU-Veranstaltungen nicht mehr klar Position beziehen könne. Anna-Katharina Schättiger hat sich fest vorgenommen, auch auf dem Posten der ersten Bürgerin der Stadt ein politischer Mensch zu bleiben. Dabei will sie auch dem Kurs ihres Vorgängers folgen und „die Stadt weiter nach außen öffnen“, wie sie sagt.

Und eines will sie aber auch anders machen als ihr Vorgänger: Über 800 Termine hat Friedrich-Wilhelm Strohdiek allein 2014 wahrgenommen, um die Stadt zu repräsentieren. „Das kann niemand von mir erwarten“, dämpft Anna-Katharina Schättiger schon mal vorsorglich allzu hohe Erwartungen – schon mit Rücksicht auf ihre Familie, die auch künftig „das Allerwichtigste im Leben“ bleiben soll. Das hat sich die Mutter von vier erwachsenen Kindern und Großmutter von sechs Enkeln fest vorgenommen.

Und wenn dann noch etwas Freizeit bleibt, greift sie gern zum neuen Krimi von John Grisham: „Dabei kann ich gut abschalten!“

Die geheime Wahl findet in der heutigen Sitzung der Ratsversammlung statt, die um 17 Uhr im Neuen Ratssaal des Rathauses beginnt.

Neumünsters Stadtpräsidenten:

Seit dem 4. Mai 1950 –  damals wurde eine neue Gemeindeordnung in Schleswig-Holstein eingeführt – hat Neumünster einen  Stadtpräsidenten bzw. eine Stadtpräsidentin. Der „erste  Bürger der Stadt“  führt den Vorsitz in der Ratsversammlung und ist Repräsentant der Bürgerschaft. Bislang bekleideten neun Männer, aber nur zwei Frauen das höchste politische Amt der Stadt.

Paul Lohmann (SPD): 12. Mai 1950 - 11. Juli 1952

Max Johannsen (SPD): 11. Juli 1952 - 25. Mai 1955

Karl Rahe (CDU): 25. Mai 1955 - 24. Mai 1956

Max Johannsen (SPD): 24. Mai 1956 - 24. Mai 1957

Karl Rahe (CDU): 24. Mai 1957 - 05. November 1957

Max Johannsen (SPD): 5. November 1957 - 18. Februar 1969

Walter Jansen (SPD): 18. Februar 1969 - 23. April 1974

Alexandrine von dem Hagen (CDU): 23. April 1974 - 14. April 1978

Herbert Winkler (SPD): 14. April 1978 - 1. April 1982

Christian-Friedrich Peter (CDU): 1. April 1982 - 22. April 1986

Helmut Loose (SPD): 22. April 1986 - 10. Mai 2002

Helga Hein (SPD): 10. Mai 2002 - 15. April 2003

Hatto Klamt (CDU): 15. April 2003 - Juni 2008

Friedrich-Wilhelm Strohdiek (CDU): Juni 2008 - 12. Februar 2015 (verstorben am 12. Februar 2015)

Quelle: Stadt Neumünster 

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erstellt am 31.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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