Kranke Labradorwelpen : Hundezüchter müssen vor Gericht

Labrador Yanny ist einer der kranken Hunde. Seine Besitzer haben ihm eine Rampe gebaut, damit er trotz seines Handicaps ins Auto kommt.
Labrador Yanny ist einer der kranken Hunde. Seine Besitzer haben ihm eine Rampe gebaut, damit er trotz seines Handicaps ins Auto kommt.

Ein Züchterpaar aus der Nähe von Neumünster soll wissentlich kranke Labradorwelpen gezüchtet und verkauft haben. Die Ermittler sprechen von gewerbsmäßigem Betrug in 35 Fällen.

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26. Mai 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Monatelang ermittelten die Polizei und die Kieler Staatsanwaltschaft, aber jetzt ist sicher: Das Züchterpaar aus einer Gemeinde bei Neumünster, das jahrelang wissentlich kranke Hundewelpen gezüchtet und verkauft haben soll, muss sich vor Gericht verantworten. Wann der Prozess stattfinden wird, ist noch unklar. Es geht um gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug in 35 Fällen. Das teilte Staatsanwalt Michael Bimler auf Anfrage mit.

Das Paar soll zwischen 2011 und 2014 mit Labradoren gezüchtet haben, die an der chronischen Erbkrankheit Hüft- beziehungsweise Ellenbogendysplasie litten. Die Käufer der Welpen seien nicht entsprechend informiert worden, so die Staatsanwaltschaft.

Die Untersuchungen waren einst ins Rollen gekommen, nachdem mehrere Hundebesitzer das Leiden ihrer Tiere entdeckt hatten. So traten bei den jungen Hunden nach und nach Probleme beim Gehen auf. Die Labradore humpelten und litten offenbar unter starken Schmerzen. Die Besitzer gingen zum Tierarzt, erhielten alle die schockierende Diagnose – und bleiben auf den horrenden Behandlungskosten sitzen. Heilbar ist die Erbkrankheit nicht.

Zur Zuordnung der verwandtschaftlichen Verhältnisse der Hunde, die zum Teil in Neumünster und den Umlandgemeinden leben, gingen die Ermittler in den vergangenen Monaten ungewöhnliche Wege. Mancher betroffene Labrador wurde zur Speichelprobe gebeten. Die Amtstierärztin wurde als Sachverständige hinzugezogen.

Das Züchterpaar hat die Vorwürfe schon während des Ermittlungsverfahrens weit von sich gewiesen. Es ließ im November 2014 über seine Anwältin ausrichten, ein Betrugsvorwurf sei „völlig absurd“. Alle Tiere seien vor dem Zuchteinsatz auf Hüft- beziehungsweise Ellenbogendysplasie geröntgt worden.

Die Krankheit und die Folgen

Die Diagnose Hüftgelenksdysplasie (HD) ist  eine der häufigsten Erkrankungen bei großwüchsigen Hunden. Betroffen von der chronischen Erkrankung sind vor allem reinrassige Tiere. Die Krankheit wird  ausschließlich vererbt. Eine unsorgfältige Zuchtauswahl ist darum die Hauptursache für die Ausbreitung der Krankheit.

Betroffen sind nach Auskunft von Fachleuten hauptsächlich so beliebte Hunderassen wie Deutscher Schäferhund, Golden Retriever und Labrador, aber auch Neufundländer, Rottweiler, Berner Sennenhund, Dogge, Dobermann und  Bobtail.  HD ist eine Fehlbildung der Hüftgelenke, die zu schmerzhafter Arthrose führt und die in der Regel  in den ersten 15 Lebensmonaten auftritt.  Ursache für die Beschwerden: Die Gelenkpfanne am Beckenknochen und der Kopf des Oberschenkels passen nicht korrekt zueinander.

Je nach Alter des Hundes und Stadium der Krankheit reicht eine Bewegungstherapie verbunden mit einer Futterumstellung oft erst einmal aus. Häufig hilft aber nur noch eine Operation. So kann zum Beispiel eine künstliche Hüfte eingesetzt werden.

Quelle: www.welpenwelt.de

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