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Holsteinischer Courier

16. Dezember 2017 | 00:42 Uhr

Gerichtsbericht : Hundebesitzer sagten aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zeugen erzählten fast übereinstimmend von schweren Erkrankungen und hohen Tierarztkosten.

von
erstellt am 13.Feb.2016 | 18:00 Uhr

Neumünster | Am zweiten Verhandlungstag gegen ein Hundezüchterpaar aus Padenstedt hatten gestern erstmals die Besitzer mehrerer dort gekaufter Tiere das Wort – und sie erzählten fast übereinstimmend von schweren Erkrankungen ihrer Lieblinge. Seit Dienstag müssen sich eine Frau (44) und ein Mann (60) vor dem Schöffengericht verantworten. Sie sollen über Jahre unheilbar kranke Hunde gezüchtet und verkauft haben. Laut Anklage erkrankten über 35 Welpen an dem Gelenk-Leiden Hüft- (HD) beziehungsweise Ellenbogendysplasie (ED) (der Courier berichtete).

So zum Beispiel Labrador Kira. Ihr Frauchen hatte im Frühjahr 2011 extra einen familienfreundlichen Hund gesucht, der auch zu ihrer behinderten Tochter passt. Die Familie aus der Nähe von Uetersen entschied sich deshalb für einen Labrador. „Unser erster Eindruck von der Zucht war positiv. Wir sind da mit dem Glauben rausgegangen, dass da kein Elterntier an HD oder ED erkrankt ist“, schilderte die Zeugin.

Schon im Herbst war die ungetrübte Freude über den Hund dahin. „Passanten sprachen uns an, der Hund würde nicht rund laufen“, berichtete die Frau. Dann die Diagnose: schwerste Hüftdysplasie. „Der Tierarzt meinte, wir sollten Kira einschläfern lassen. Ich war am Boden zerstört. Doch Einschläfern war keine Option“, so die Besitzerin. Stattdessen setzt die Familie bis heute auf teure Behandlungen. Das Züchterpaar bot der Familie damals an, den Hund bei einem mit der Zucht vertrauten Tierarzt behandeln zu lassen. „Weil wir ja ein behindertes Kind haben, wollten sie die Kosten übernehmen“, schilderte die Frau eine erste Reaktion des Paares. Doch zu dem hatte die Zeugin kein Vertrauen. Später kam es dann zum lautstarken Streit. „Sie unterstellten uns, wir hätten es selbst verursacht, hätten den Hund falsch behandelt und ihn fallen lassen. Dann hieß es, so eine HD könnte sich auch verwachsen“, erklärte die Frau.

Ähnliche Krankengeschichten und Reaktionen der Züchter schilderten auch die Besitzer von Rasmus, Yanny, Balu oder Jack. Sie alle steckten zum Teil mehrere tausend Euro in Operationen Fachkliniken, Physiotherapie und Spezialfutter und mussten manchen Traum mit dem Hund, wie gemeinsamen Hundesport und ausgedehnte Spaziergänge, schnell und dauerhaft begraben.

Auf Initiative einer jungen Wasbekerin, die nach Leidensgenossen im Internet suchte und in einer Fachklinik ihre Telefonnummer hinterließ, schlossen sich schließlich mehrere Hundebesitzer mit kranken Tieren aus der besagten Zucht zusammen, sammelten Daten zur Krankheit und Abstammung ihrer Labradore und wandten sich schließlich ans Veterinäramt. „Mein Ziel war, dass das nicht weiter passiert. Denn da spielt auch Genetik eine Rolle“, so die Initiatorin. Das sieht die Verteidigung anders. Sie fragte gestern immer wieder den Umgang – besonders mit den ganz jungen Hunden – ab und vermutete Fehler bei der Belastung und Fütterung. Der Prozess wird fortgesetzt.

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