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Polizeieinsatz : Hubschrauber suchte Graffiti-Sprayer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein tief fliegender Helikopter der Bundespolizei beunruhigte Sonntagfrüh viele Bürger. Die Neumünsteraner Polizei war nicht informiert.

Neumünster | Der Hubschrauber, der am frühen Sonntagmorgen viele Neumünsteraner aus dem Schlaf riss, war nicht auf dem Weg nach Kiel, um dort das Anti-Atom-Camp aus der Luft zu überwachen. Der Pressesprecher der Bundespolizei in Bad Bramstedt, Matthias Menge, erklärte gestern gegenüber dem Courier: „Das war eine falsche Aussage der Polizeileitstelle.“ Tatsächlich habe der Hubschrauber der Bundespolizei in Neumünster nach Graffiti-Sprayern gesucht.

Sonntagmorgen, 4.30 Uhr: Laute Rotorengeräusche reißen viele Neumünsteraner aus dem Schlaf. Beim Blick aus dem Fenster entdecken sie einen unbeleuchteten Helikopter, der seine Runden über dem gesamten Bahnhofsgelände, der Innenstadt, Tungendorf und der Gartenstadt dreht. Mal schwebt er auch über einer Stelle. Beobachter verbreiten ihre Eindrücke über das soziale Netzwerk Facebook. Schon um kurz nach 5 Uhr suchten schlaflose Neumünsteraner Rat im Internet: „Weiß von euch jemand zufällig irgendetwas über einen Hubschrauber/Helikoptereinsatz um diese Uhrzeit in der Christianstraße?“, fragte eine Nutzerin. Innerhalb von wenigen Minuten meldeten sich weitere Beobachter aus dem ganzen Stadtgebiet zu Wort. Aber die Antwort blieb zunächst unklar.

Die Polizeileitstelle erklärte dem Courier am Sonntag, der Hubschrauber sei vermutlich nur über Neumünster hinweg nach Kiel geflogen (der Courier berichtete). Doch das konnten die Beobachter nicht glauben. Warum sei er dann so tief geflogen, und warum kreiste er mehrfach nördlich der Innenstadt?

Gestern klärte der Bundespolizei-Sprecher Menge den mysteriösen Hubschrauber-Einsatz auf: „Die Auskunft der Leitstelle war falsch. Der Hubschrauber wurde von der Bahnpolizei angefordert, um flüchtige Graffiti-Sprayer zu suchen.“ Eine Streife der Bundespolizei, die für das Bahnhofsgelände zuständig ist, patrouillierte im Bereich der Abstellgruppe nahe der Max-Johannsen-Brücke. Im Rangierbereich für Güter- und Reisezüge nahmen sie um 4.18 Uhr einen Mann mit Graffiti-Spraydosen fest, noch bevor er Schaden anrichten konnte. Drei weitere Männer konnten flüchten. „Weil sich die Fahndung auf dem unüberschaubaren Gelände schwierig gestaltete, wurde ein Hubschrauber von der in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt stationierten Fliegerstaffel hinzugerufen“, erklärte Menge. Vorwürfe von Anwohnern, der Helikopter habe die Nachtruhe gestört, kann er nicht nachvollziehen. „Die Personen bringen sich auf dem Gleisgelände in Lebensgefahr. Da ist es unsere Pflicht, sie so schnell es geht aus dem Gefahrenbereich zu schaffen.“

Der Hubschrauber war um 4.38 Uhr innerhalb von nur sechs Minuten an der Einsatzstelle. Knapp eine Stunde suchte die Besatzung mit Hilfe einer Wärmebildkamera zwischen den Waggons nach den Sprayern – doch vergebens.

Warum der Helikopter unbeleuchtet flog, konnte der Polizeisprecher nicht beantworten. Das liege im Ermessen des Piloten, sei aber durchaus üblich. Ebenso wenig scheint der Einsatz selbst eine Besonderheit gewesen zu sein: „Hubschrauber werden von uns wie Autos für die reguläre Streifentätigkeit eingesetzt – besonders entlang der Bahnstrecke.“ Graffiti-Sprayern sei die Polizei ständig auf der Spur. Pro Woche gebe es durchschnittlich einen Einsatz.

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