Gericht : Horror-Unfall von Hardebek: Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft

Gegen diesen Baum prallte der Wagen. Vier von fünf Insassen starben.
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Gegen diesen Baum prallte der Wagen. Vier von fünf Insassen starben.

Wäre er damals vorschriftsmäßig Tempo 50 gefahren, hätte es keine Kollision gegeben, sagte der Staatsanwalt.

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20. November 2013, 07:00 Uhr

Für die fahrlässige Tötung von vier Menschen bei einem verheerenden Verkehrsunfall in Hardebek (Kreis Segeberg) im Juni 2012 soll der Unglücksfahrer (28) auf Antrag der Staatsanwaltschaft drei Jahre und zwei Monate in Haft. Der Mann, ein Berufskraftfahrer aus Neumünster, sei angetrunken, grob verkehrswidrig und rücksichtslos mit rund 125 Stundenkilometern in den Ort gerast, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski gestern vor dem Kieler Landgericht. Das Fahrzeug prallte in einer Kurve ungebremst gegen einen Baum. Drei Insassen, darunter ein führendes Mitglied der Rockergang „Bandidos“, waren sofort tot. Eine junge Frau starb wenig später im Krankenhaus (der Courier berichtete).

Der Fahrer überlebte als einziger schwer verletzt. Er sitzt seither im Rollstuhl. Wäre er damals vorschriftsmäßig Tempo 50 gefahren, hätte es keine Kollision gegeben, sagte Ostrowksi. Die Tat sei „kein Augenblicksversagen, sondern ein schwerwiegender Verkehrsverstoß, der eine erhebliche Strafe erfordert.“ Der Angeklagte werde „damit leben müssen, dass er Schuld ist an dem Tod von vier jungen Menschen. Er hat nicht nur ihr Leben ausgelöscht, sondern auch das der Angehörigen zerstört.“

Zeugen zufolge kannten sich der Unglücksfahrer und drei der Insassen nicht. Man habe sich zufällig am Tresen einer Szenebar getroffen. Demnach wollten alle fünf dann am frühen Vormittag beim Angeklagten weiter „Party machen“. Doch die Fahrt dorthin überlebte nur der 28-Jährige. Um ihn aus dem völlig zertrümmerten Wagen herauszuschneiden, mussten Rettungskräfte beide Unterschenkel bis zum Knie amputieren.

Für den Beifahrer, ein „Bandidos“-Mitglied von Rügen, kam jede Hilfe zu spät. Die junge Frau, die auf der Rückbank gesessen hatte, überlebte nur wenige Tage. Die junge Mutter hinterlässt ein kleines Kind und ihren Mann. Die beiden anderen Insassen auf dem Rücksitz prallten gegen die Vordersitze, die dabei brachen. Sie waren sofort tot.

Der Oberstaatsanwalt gab aber auch den Unfallopfern auf der Rückbank eine gewisse Mitschuld. „Sie hätten überleben können, wären sie angeschnallt gewesen“, sagte er unter Bezug auf einen Sachverständigen. Der Wagen, ein Luxuscoupe, war nur für vier Personen zugelassen.

Der Fahrer, selbst Vater einer kleinen Tochter, lag lange im Koma und erfuhr nach eigenen Worten erst Wochen später von einer Psychologin, was geschehen war. Er erinnere sich an keine Einzelheiten des Unfalles, sagte er zu Prozessbeginn.

Der Unfall hatte als „Rockerfahrt in den Tod“ Schlagzeilen gemacht. Der Oberstaatsanwalt leitet auch das Dezernat für Rockerstraftaten. Die Nebenklage wies aber ausdrücklich darauf hin, dass drei der Toten keinerlei Bezug zur Rockerszene hatten. Sie saßen nur zufällig im Wagen. Die 10. Strafkammer will heute das Urteil verkünden.

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