Umweltschutz : Holstenköste Neumünster: 20 Tonnen Müll in vier Tagen

Vorspülen, ab in die Maschine und wieder raus zum Tresen: Azubi Nilkzadeh Ziauddin sorgt im „Spülmobil“ dafür, dass die Köstenbesucher stets saubere Teller und Bestecke bekommen.
Vorspülen, ab in die Maschine und wieder raus zum Tresen: Azubi Nilkzadeh Ziauddin sorgt im „Spülmobil“ dafür, dass die Köstenbesucher stets saubere Teller und Bestecke bekommen.

Ökologisch ist die Holstenköste verbesserungsfähig. Stadt und Standbetreiber suchen bislang nach passender Lösung.

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09. Juni 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Keine Frage, Köste macht Spaß. Noch unbeschwerter ließe sich die Sause (7. bis 10. Juni) allerdings genießen, wenn Veranstalter, Schausteller und Besucher das Müllproblem endlich in den Griff bekämen: Von einer „grünen Köste“ ist Schleswig-Holsteins drittgrößtes Stadtfest jedenfalls noch weit entfernt – trotz einiger hoffnungsvoller Ansätze.

Knapp 20 Tonnen Müll haben Neumünsters Müllwerker 2017 an vier Köstentagen zusammengetragen. Mit fünf Tonnen pro Tag entspricht das immerhin einem guten Zehntel des Mülls, der im Schnitt pro Tag in Neumünster anfällt – im gesamten Stadtgebiet wohlgemerkt. Und wenig spricht dafür, dass es in diesem Jahr erheblich weniger sein wird.

250 orangefarbene Mülltonnen hat das TBZ auf dem Köstengelände aufstellen lassen. Für Frank Schawohl, der im TBZ die Müllentsorgung auf der Köste koordiniert, beginnt das Problem bereits bei der Müllsammlung: Schließlich müssen auch die Pappschalen, Plastikbecher, Essensreste, Scherben oder mitgebrachten Flaschen wieder eingesammelt werden, die die Leute neben den Tonnen fallen lassen oder – noch dreister – in den Rabatten entsorgen.

Weil viele Besucher mit dem Backfischbrötchen in der einen und dem Bierbecher in der anderen Hand über die Köste laufen oder den Mülltonnendeckel schlicht nicht anfassen mögen, hat der Abfall-Fachmann in einige Tonnen versuchsweise runde Einwurflöcher sägen lassen. Sollte sich das Verfahren bewähren, sollen künftig mehr reguläre Einwurftonnen zum Einsatz kommen.

„Köste ist offenbar Ausnahmezustand“

Weit schwieriger ist dem Problem Mülltrennung beizukommen. In den orangefarbenen Tonnen landet alles von der Papierserviette über senf- oder ketchupverschmierte Papp- und Plastikteller bis hin zu Sektflaschen und Essensresten. „Das ist kaum wieder zu trennen“, stellt Schawohl nüchtern fest.

Vereinzelt hat es von Gastronomen immer wieder mal Versuche gegeben, die Köstenbesucher mit farblich unterschiedlichen Abfalleimern zur mehr Trennung zu bewegen. Der Erfolg war allerdings überschaubar: „Köste ist offenbar Ausnahmezustand“, sagt ein frustrierter Standbetreiber, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte: „Da nehmen es die Leute es mit der Mülltrennung nicht so genau.“

Könnten Gläser und Spülküche angesichts des wachsenden Umweltbewusstseins der Trend der Zukunft sein?

Einen neuen Ansatz versuchen Sönke Thieme („Klatsch-Palais“) und Erhard Garbrecht („Speisekammer“): Sie haben die Stehtische ihrer Köstenstände bereits im vergangenen Jahr mit speziellen „Fallrohren“ nachgerüstet, mit denen sie die die enorme Menge der Wegwerfbecher wieder einzusammeln versuchen. „Die Einmalbecher wandern in den gelben Sack, auf die edleren Hartplastikbecher für Cocktails wird 1 Euro Pfand erhoben: Sie werden gespült und wiederverwendet“, erklärt Thieme sein Konzept zur Abfallreduzierung.

Noch einen Schritt weiter geht sein Kollege Erhard Garbrecht: Seine „Köstensteaks“ werden ausschließlich auf festen Tellern aus Hartplastik serviert. Dazu gibt es „echtes“ Besteck aus Metall. Beides wandert – wie die Gläser vom Cocktailstand nebenan – nach Gebrauch ins betriebseigene Spülmobil gleich hinter den Ständen. „Wasser, Strom und Spül-Personal kosten zwar, aber dafür können wir den Besuchern einen Service bieten, denen billiges Plastikgeschirr einfach zuwider ist“, erklärt Mitarbeiter Klaus Leschkus. Das Konzept werde angenommen, zumal sich die Mehrkosten über breite Mischkalkuation im Rahmen halten ließen, so Leschkus.

„Wir haben beim Umweltschutz bislang auf freiwillige Modelle gesetzt“, sagt Stadtsprecher Stephan Beitz. Zwar habe es in der Vergangenheit immer wieder mal – etwa beim „Köstenrock“ im Rencks Park – freiwillige Pfandsysteme gegeben, die hätten sich bei den Besuchern aber nicht durchsetzen können, bedauert Beitz. Skeptische Gastronomen verweisen neben dem Mehraufwand auf erhöhte Verletzungsgefahren durch Bruchglas und hygienische Probleme beim Pfandsystem.

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