Theater : Holstein-Chor sang die Zuhörer in den Himmel

Der Holstein-Chor durfte an der dramatischen Schlussszene teilnehmen.
Der Holstein-Chor durfte an der dramatischen Schlussszene teilnehmen.

350 Theaterbesucher erlebten die Menschen des Dorfes Ljusaker mit ihren positiven und negativen Eigenheiten.

shz.de von
10. Mai 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | „Wie im (Film-)Himmel“ fühlten sich viele Kinobesucher, die seit 2004 den Film des schwedischen Regisseurs Kay Pollak sahen. Am Donnerstagabend erlebten 350 Theaterbesucher in der Produktion der Landesbühne Niedersachsen Nord (Regie: Gero Vierhuff) die Menschen des nordschwedischen Dorfes Ljusaker mit all ihren positiven und negativen Eigenheiten.

Was macht den Erfolg des für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominierten Werks aus? Die Faszination ging von dem ausbalancierten Zusammenwirken – von den Naturaufnahmen, die das Innnenleben der Dorfbewohner kommentieren, von den Charakteren der eingeschworenen Dorfgemeinschaft; von der Musik, die Emotionen weckt.

Dem Schauspielensemble gelangen eine Reihe „dichter“ Szenen und bewegender Momente. Doch manche Passage blieb im Ungefähren stecken und die surrealen Traumelemente, der zu bombastische musikalische Beginn und der melodramatische Schluss wirkten wenig integriert.

Im Dorf wurde Daniel Daréus, das Geigen-Wunderkind, geboren; dorthin kehrt er nach einem Herzinfarkt zurück. Er hofft auf Genesung und eine neue Lebensperspektive, die für ihn wieder in der Musik liegt. Zögerlich übernimmt er den kleinen, dilettantischen Kirchenchor und formt ihn zu einem Klangkörper, in dem jeder „seinen eigenen Grundton“ findet. Und auch der menschenscheue Daniel (überzeugend: Aom Flury) wird „frei“ in dieser Gemeinschaft und kann Lena (authentisch: Zenzi Huber) seine Liebe gestehen. Die Veränderungen der Chormitglieder werden argwöhnisch registriert und führen zu Neid, Eifersucht und sogar Gewalt. Emotionen kochen hoch, Freundschaften kommen auf den Prüfstand. Es finden sich Paare, es trennen sich Paare: der bigotte, selbstgerechte Pfarrer (intensiv: Thomas Marx) und seine Frau Inger (Ramona Marx, nicht nuancenreich genug), und Gabriella (liebenswert-verklemmt Alina Müller) trennt sich von ihrem prügelnden Mann (Till Alexander Lang).

Für den Schluss haben sich Pollak und Vierhuff etwas Besonderes einfallen lassen. Der Chor fährt zu einem internationalen Wettbewerb in Wien. Alle sind bereit für den großen Auftritt, doch Daniel erleidet einen weiteren Herzinfarkt. Doch dann geschieht Unerwartetes: Der behinderte Tore (Christoph Sommer) stimmt seinen „Grundton“ an, alle anderen folgen ihm und finden zu musikalischer Harmonie.

Das geschah auch im ausverkauften Theater in der Stadthalle, denn nicht nur die Sänger auf der Bühne, sondern auch zahlreiche Mitglieder des Holstein-Chors auf der Empore stimmten ein in den Gesang, den Daniel in den letzten Minuten seines Lebens hört. Starker Applaus dankte allen Mitwirkenden für „Wie im Himmel“.

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