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Staatlicher Mietzuschuss : Höheres Wohngeld – Stadt spart Geld

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Erstmals seit 2009 wurden die Sätze an gestiegene Mieten und Einkommen angepasst. Weniger Unterkunftskosten für Hartz IV

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erstellt am 12.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Neumünster | Nach sechs Jahren wurde jetzt erstmals zum Jahresbeginn das Wohngeld erhöht. Über den Mietzuschuss vom Staat können sich nicht nur die 1250 anspruchsberechtigten Haushalte in Neumünster freuen. Ihre Zahl dürfte deutlich steigen, denn die Einkommensgrenzen wurden angepasst.

Auch die Stadt profitiert vom höheren Wohngeld, denn sie spart künftig bei den Mietkosten für Hartz-IV-Familien. Das klingt zunächst paradox, hat aber eine einfache Erklärung: Das Wohngeld, das einkommensschwachen Haushalten als Zuschuss zu den Mietkosten, aber auch Eigentümern als Lastenzuschuss gewährt wird, zahlen Bund und Land je zur Hälfte. Bei Hartz IV trägt die Stadt dagegen das Gros der Miet- und Heizkosten als Sozialleistung.

Durch die gestiegenen Wohngeldsätze dürften Geringverdiener aus dem Bezug von Hartz IV herausfallen. „Das könnte einen positiven Effekt für die Finanzen der Stadt haben, wenn wir für weniger Hartz-IV-Empfänger die Kosten der Unterkunft zu tragen haben“, sagt Sozialdezernent Günter Humpe-Waßmuth: „Die Anpassung der Wohngeldsätze ist angemessen und sozialpolitisch zu begrüßen.“

Das sieht auch Hauke Petersen so. Der Rechtsanwalt ist auch Vorsitzender des Mitervereins Mittelholstein, der allein in Neumünster rund 3000 Mitglieder vertritt. „Die Anpassung war lange überfällig und sollte künftig regelmäßig erfolgen“, sagt Hauke Petersen. Die alten Wohngeldsätze hätten vorne und hinten nicht gereicht.

„Wir haben uns mit der Wohngeldstelle der Stadt zusammengesetzt“, sagt der Leiter des Jobcenters, Thorsten Hippe. Er schätzt, dass 150 bis 200 Haushalte, die bislang Hartz IV erhielten, nun Anspruch auf Wohngeld haben könnten. Die Haushalte wurden angeschrieben und gebeten, das Wohngeld auch zu beantragen.

Inzwischen habe sich die Wohngeld-Novelle herumgesprochen, sagt Holger Pohlmann, der Leiter des Fachdienstes Soziale Hilfen. „An den ersten beiden Sprechtagen im neuen Jahr haben uns die Leute die Tür eingerannt“, bestätigt die für Wohngeld zuständige Abteilungsleiterin Susanne Fricke.

Wer bislang schon Wohngeld bezieht, muss nicht aktiv werden. „Die Anpassung wird automatisch berechnet“, so Pohlmann. Es gebe aber deutlich mehr Neuanträge. Wie viele das seien und welche Mehrarbeit dadurch auf die Wohngeldstelle zukomme, könne er noch nicht sagen. Das Land habe für Schleswig-Holstein hochgerechnet, dass die Zahl der Berechtigten um 50 Prozent steigen wird. Der Ansatz für die Zahlungen an die Kommunen wurde von 31 auf 68 Millionen Euro mehr als verdoppelt, sagt Holger Pohlmann.

Zuschuss vom Staat

Das Wohngeld ist ein Zuschuss, den  sowohl Mieter als auch Wohnungseigentümer (hier als Lastenzuschuss) bekommen, wenn sie unter bestimmten Einkommensgrenzen liegen. In Neumünster waren viele Haushalte aus dem Bezug „herausgewachsen“. Gab es Ende 2012 noch 1530 Wohngeld-Haushalte, sank die Zahl auf 1335 (2013) und 1130 (2014). Bezieher staatlicher Grundsicherung wie Hartz IV haben keinen Anspruch auf Wohngeld. Bei ihnen zahlt der Staat (hier die Stadt) die Kosten für die Wohnung aber auch komplett.

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