Wohngeld : Höherer Mietzuschuss vom Staat

Die Wohngeldstelle der Stadt ist in den Rathaus-Arkaden zu finden.
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Die Wohngeldstelle der Stadt ist in den Rathaus-Arkaden zu finden.

Zum kommenden Jahr wird das Wohngeld erstmals seit 2009 angehoben. In Neumünster dürfte die Zahl der Bezieher sprunghaft steigen

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25. Juli 2015, 08:30 Uhr

Neumünster | Mit dem Wohngeld zahlt der Staat Geringverdienern einen Zuschuss zur Miete. In Neumünster haben zurzeit 1245 Haushalte Anspruch auf diese Sozialleistung. Im Schnitt waren es 120 Euro im Monat. Künftig dürften es wieder deutlich mehr Wohngeldberechtigte werden, denn der Bundestag hat zum 1. Januar 2016 eine Erhöhung und neue Bemessungsgrenzen beschlossen.

„Viele Haushalte sind aus dem Bezug herausgewachsen“, sagt Holger Pohlmann vom Fachdienst Soziale Hilfen. Das ist auch an den Zahlen von Statistik Nord, der Datenbehörde für Hamburg und Schleswig-Holstein, abzulesen. Gab es Ende 2012 in Neumünster noch 1530 Haushalte, die Wohngeld bezogen, sank die Zahl in den Folgejahren auf 1335 (2013) und 1130 zum Jahresende 2014.

Pohlmann: „Die Einkommen sind gestiegen, die Bemessungsgrenzen seit 2009 nicht.“ Die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen. Auch dadurch hätten mehr Neumünsteraner ein Einkommen, das Wohngeld überflüssig macht, sagt der Fachdienstleiter. „Wir rechnen aber für 2016 mit sehr starken Zuwächsen beim Wohngeld“, so Pohlmann. Die Mietgrenzen werden angehoben, künftig wird die Warm- und nicht mehr die Kaltmiete berücksichtigt.

Anspruch auf die je zur Hälfte von Bund und Land gezahlten Zuschüsse haben sowohl Mieter als auch Wohneigentümer (hier als Lastenzuschuss) und auch Bewohner von Pflegeeinrichtungen, wenn sie gewisse Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Bezieher staatlicher Grundsicherung wie Hartz IV haben keinen Anspruch auf Wohngeld. Der Staat – oder vielmehr die Stadt – zahlt bei ihnen aber auch die Kosten der Wohnung komplett. Laut Jobcenter gibt es rund 5750 Bedarfsgemeinschaften, also Hartz-IV-Haushalte. Das sind etwa 11  000 Menschen in Neumünster. Beim Wohngeld ist die Stadt allerdings indirekt durch die Personalkosten in der Wohngeldstelle betroffen. „Der Mehraufwand 2016 wird mehr Personal erfordern“, glaubt Pohlmann.

„Der ursprüngliche Gedanke des Wohngeldes läuft in Neumünster ins Leere“, glaubt hingegen Christine Noack. Vor ihrer Tätigkeit als Diakonie-Sprecherin war sie zehn Jahre lang in der ZBS an der Gasstraße tätig. Das ist die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot. Noack: „Es gibt in Neumünster so viele sozial Schwache, die gleich Hartz IV beantragen müssen – und alle drängen auf den gleichen Wohnungsmarkt und dort auf das Segment mit den förderfähigen Wohnungen.“ Es sei sehr mühsam, eine solche Wohnung in Neumünster zu finden. Hier allerdings widerspricht Jobcenter-Chef Thorsten Hippe. „Wir schauen jeden Monat auf den Wohnungsmarkt. Unsere Erfahrung im Jobcenter ist: Der Markt stellt diese Wohnungen bereit.“

Auch in der ZBS bezieht das Gros der hier Rat suchenden Hartz IV. Wohngeld ist dort aber für Alleinerziehende ein Thema, berichtet Beraterin Christina Maurer. Die Kinder sind in solchen „Mischhaushalten“ durch Kindergeld, Unterhalt und Wohngeld aus Hartz IV herausgefallen. „Für die Eltern ist das schwierig, denn oft sind mehrere Behörden wie Jobcenter, Wohngeldstelle, Jugendamt, Unterhaltsvorschusskasse und Familienkasse anzulaufen“, so Maurer.

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