Höchster Wohnungsleerstand im Land

Gedränge in der Innenstadt:  Diese Bild bietet sich nur zu besonderen Anlässen wie verkaufsoffenen Sonntagen  oder der Holstenköste.  Nach den Prognosen wird die Stadt  in den nächsten Jahren  schrumpfen. Foto: Vaquette
Gedränge in der Innenstadt: Diese Bild bietet sich nur zu besonderen Anlässen wie verkaufsoffenen Sonntagen oder der Holstenköste. Nach den Prognosen wird die Stadt in den nächsten Jahren schrumpfen. Foto: Vaquette

Neumünster hat jetzt gut 77 000 amtliche Einwohner / Ergebnisse der Volkszählung lassen auf höhere Zuschüsse von Bund und Land hoffen

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01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Neumünster | Die Experten im Einwohnermeldeamt haben es schon immer gewusst, und gestern kam mit den Ergebnissen der Volks- und Wohnungszählung vom Mai 2011 die Bestätigung: Neumünster kann seine Einwohnerzahl um 363 nach oben korrigieren und hat jetzt exakt 77 249 Einwohner.

Das dürfte sich auch bald in Euro und Cent im Haushalt der Stadt auszahlen, denn nach der amtlichen Einwohnerzahl bemessen sich die Mittelzuweisungen von Land und Bund aus dem Finanzausgleich. Wie groß der Geldsegen aus Kiel und Berlin ausfallen wird, lässt sich noch nicht sagen. Neumünsters Entwicklung müsse noch in Relation zu der auf Landes- und Bundesebene gesetzt werden, heißt es von der Stadt.

Neumünster steht damit besser da, als von vielen erwartet wurde. Unter den kreisfreien Städten konnte sonst nur Lübeck ein leichtes Plus verbuchen. Kiel dagegen verliert 3900 (minus 1,6 Prozent), Flensburg auf einen Schlag gar 6500 oder 7,3 Prozent seiner "amtlichen" Einwohner. Dass es so große Differenzen zwischen amtlicher und tatsächlicher Einwohnerzahl gibt, liegt daran, dass die letzte Volkszählung 26 Jahre zurückliegt und die Einwohnerzahlen immer nur fortgeschrieben wurden. Demnach hatte Neumünster bis vorgestern 76 886 Einwohner.

Ein Ruhekissen sind die neuesten Daten des Statistikamts Nord aber nicht. Sie zeigen, dass Neumünster seit 1987 mit 2522 gut 3 Prozent seiner Einwohner eingebüßt hat. Damals kratzte die Stadt mit 79 771 noch knapp an der 80 000er-Marke. Und der Einwohnerschwund wird sich wohl weiter fortsetzen. Die Stadt hat deshalb einen sogenannten Demografieprozess angeschoben, um rechtzeitig auf die Veränderungen reagieren zu können.

Es werden immer weniger Kinder geboren, die Zahl der Älteren steigt. Das hat natürlich Auswirkungen auf Schulen, Kitas, Alten- und Pflegeeinrichtungen. "Die Stadt Neumünster möchte dem drohenden Bevölkerungsrückgang weiter unter anderem mit konsequenter Wirtschaftsförderung und damit verbundenen Unternehmensansiedlungen sowie einer familienfreundlichen Politik entgegen wirken", sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras.

Rund 7000 Neumünsteraner und alle Haus- und Wohnungseigentümer waren zum Stichtag 9. Mai 2011 befragt worden. Die Wohnungserhebung ergab, dass deren Zahl trotz des Bevölkerungsrückgangs seit 1987 um 4745 (13 Prozent) auf jetzt 41 587 gestiegen ist. Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt bei 81 Quadratmetern. Gut 57 Prozent der Wohnungen sind vermietet, knapp 38 Prozent werden von ihren Eigentümern selbst bewohnt. 2172 oder 5,3 Prozent der Wohnungen stehen leer. Das ist die höchste Leerstandsquote in Schleswig-Holstein.

Alle Daten sind öffentlich zugänglich auf der Internetseite www.statistik-nord.de.

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