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Tungendorfer Club : Himmelfahrtsclub "Hol di stief" hält die plattdeutsche Sprache hoch

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Am Donnerstag geht es auf Vatertagstour - mit Schinken, Bier und Korn.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 07:56 Uhr

Neumünster | Die blauen Clubmützen mit der weiß-roten Kordel und der Anstecker ebenfalls in den Landesfarben sind das Erkennungszeichen von "Hol di stief". Seit 1949 hält der Tungendorfer Club Frohsinn und vor allem die plattdeutsche Sprache hoch.

"De Club is een Himmelfohrtsclub, de den Frohsinn un de gode Luun plegen will. He will uns Moderspraak hegen und plegen un alle Kameraden anholn, sich bietostahn in gode un in leege Daag", heißt es in den Club-Bestimmungen. Morgen geht es wieder auf Vatertagstour - zünftig mit Schinken, Bier und Korn. Der heißt aber bei den zurzeit 25 Clubkameraden nicht einfach Köm, sondern "381’er". Die Anekdote geht auf den längst verstorbenen August Liebke zurück, der an der Kieler Straßen 381 wohnte und nicht genug Korn einer Marke hatte. "Dann wurde gemixt und der Köm hatte seinen Namen weg", Klaus Müllenbach, 1. Spreeker von "Hol di stief".

Die Gründerväter vor 64 Jahren waren selbstständige Handwerker und Geschäftsleute aus Tungendorf. "Man musste sich in der schweren Nachkriegszeit gegenseitig unterstützen. Dieser Gemeinschaftsgedanke trägt noch heute", sagt Club-Schriewer Ulli Käde. "Hol di stief" hat Nachwuchssorgen. Tungendorfer muss man nicht mehr sein, um Mitglied zu werden. Zwei Bürgen und die Liebe zur plattdeutschen Sprache reichen. "Wer rin will, mut platt können", sagt Kassierer Uwe Wriedt.

Aber genau da liegt das Problem. "Kaum noch jemand spricht platt", sagt Klaus Müllenbach und berichtet von einer Szene aus dem Dachdeckerbetrieb von Clubmitglied Klaus-Peter Jürgens. Der sprach einen neuen Lehrling an dessen erstem Arbeitstag auf platt an. Der verstand nur Bahnhof und sagte später zum Gesellen: "Der erste Tag war toll, und der Türke hat mich auch schon begrüßt." Gemeint war der plattdeutsch sprechende Meister Jürgens. Kontakt: K. Müllenbach, Tel. 936601.

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