Mensch des Jahres : Hilfe und Hoffnung für Flüchtlinge

Die Sehnsucht nach Freiheit spiegelt sich in den Bildern der Flüchtlinge wider. Dolmetscher Sirwan Baban aus dem Nordirak hat viele von ihnen durch vertrauensvolle Gespräche überzeugt, bei der Aktion mitzumachen.
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Die Sehnsucht nach Freiheit spiegelt sich in den Bildern der Flüchtlinge wider. Dolmetscher Sirwan Baban aus dem Nordirak hat viele von ihnen durch vertrauensvolle Gespräche überzeugt, bei der Aktion mitzumachen.

Sirwan Baban (43) dolmetscht und organisiert ehrenamtlich mit viel Herzblut Veranstaltungen im Flüchtlingscafé Vis-à-Vis / Rat und Trost für Neuankömmlinge

shz.de von
01. November 2013, 07:00 Uhr

Wenn Flüchtlinge müde, traumatisiert, mit Erlebnissen von Krieg, Folter und Verfolgung in den Seelen in der Zentralen Gemeinschaftsunterkunft in Neumünster ankommen, ist Sirwan Baban einer der ersten, die diese Menschen willkommen heißen. Der 43-Jährige ist Dolmetscher im Dienst des Landesamtes. Doch engagiert er sich weit darüber hinaus für die entwurzelten Menschen, organisiert Veranstaltungen im Flüchtlingscafé Vis-à-Vis, hilft, macht Mut und Hoffnung – mit viel Herzblut und seiner fröhlichen Art.

„Ich bekomme alles, was ich brauche, ich möchte etwas zurückgeben. Dadurch, dass ich anderen helfe, bekommt mein Leben Sinn“, sagt Baban. Der gebürtige Nordiraker hat selbst erlebt, was Flüchtlinge durchmachen. 1997 kam er mit seiner Frau Suzan und seinem kleinen Sohn nach Deutschland. Es herrschte Krieg im Irak; die kleine Familie brauchte sechs Monate nach Deutschland. Schon damals bot der studierte Sozialpädagoge an, ehrenamtlich zu dolmetschen; er spricht englisch, arabisch, türkisch, persisch und kurdisch. Sieben Jahre lebte er in Nürnberg, war Mitglied im Ausländerbeirat. 2005 zog die Familie um nach Kiel. Dort engagiert er sich beim Projekt „Stadtbüro“, einer Anlaufstelle für Migranten in Mettenhof.

Fast täglich ist er in Neumünster. Er hört von der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit. „Viele glauben, sie haben keine Zukunft“, sagt Baban. Er selbst fühlte sich immer gut aufgenommen, erlebte nie persönlich Fremdenfeindlichkeit. „Kein Deutscher hat gelacht, weil ich gebrochen Deutsch geredet habe“, sagt der bekennende Real-Madrid-Fan, der auch ein Backgammon-Turnier und Nawruz, das kurdische Neujahrsfest, im Café organisierte. Bis zu 400 Flüchtlinge aus 18 Länder leben in der Unterkunft, die Fluktuation ist gestiegen. Die Beratung ist schwieriger.

Welche Gefühle bewegen die Menschen? Bilder, die in einer ungewöhnlichen Aktion in Zusammenarbeit mit der Gerisch-Stiftung entstanden, sprechen Bände. Immer wieder sieht man das Wort „Freedom“ (Freiheit), schwarzverschleierte Frauen sitzen mit ihren Kindern hinter Gittern. Dabei war es gar nicht klar, ob Flüchtlinge überhaupt bereit waren, teilzunehmen – Angst vor der Öffentlichkeit, vor einer unbekannten Situation. Baban führte wochenlang Gespräche, überzeugte, schuf Vertrauen. „Er ist der Weichensteller, der Motor. Wir können noch so gute Ideen haben, es geht nicht ohne ihn“, sagt Wilhelm Bühse, zuständiger Kunstpädagoge der Gerisch-Stiftung. Besonders eindringlich ist das Bild einer jungen Frau: Sie malte zunächst alles schwarz. Dann kam sie wieder und malte eine kleine weiße Tür in die Mitte. Baban: „Das ist für sie das Fenster zum neuen Leben. Jetzt sieht sie Licht in der Dunkelheit.“

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